2008-04-13 22:35:20 -
Die Ausstellung von Ivar Kaasik ist noch bis 12. Mai im Art Center Berlin zu sehen. Ivar Kaasik wurde 1965 in Kingissepa (Aste) in Estland geboren und studierte von 1983 bis 1986 Architektur und von 1986 bis 1992 Kunst an der Kunstakademie von Estland in Tallinn. Kaasik schloss auch ein Studium an der Universität für Kunst und Design in Halle/Saale ab, auf der er von 1989 -1990 die Goldschmiedkunst erlernte. Mit dem Gewinn des DeBeers Preises
(dem 'Oskar' der Goldschmiede) im Jahr 1996 in Paris unterstrich er sein Können in dieser Kunst. Seine Leidenschaft gilt aber der Malerei und seine Gemälde werden seit 1988 international ausgestellt.
Nach dem Ende des sozialistischen Regimes und unter dem Eindruck der neu gewonnenen Unabhängigkeit Estlands verließ der Künstler seine Heimat. Um seine schöpferische Tätigkeit voll entfalten zu können, zog Kaasik 1992 nach Berlin. In einem Interview beschreibt er Berlin als offene Stadt, in der nicht die gesellschaftliche Stellung eine Rolle spielt, sondern Liberalität und Direktheit wesentlich sind. Vor allem aber bot Berlin als Stadt der Gegensätze und des Neubeginns dem Künstler die Möglichkeit, sein eigenes Schaffen durch neue Impulse zu bereichern.
Kaasiks Malstil divergiert immens. Im pointillistischen Tüpfelstil gibt es eine Reihe leuchtender Bilder aus seiner frühen Periode. 1996 begann Kaasik, nach einer Phase der Neuorientierung und der Ergründung der eigenen Identität, mit einer Serie, die er Porträts des Abbildes nennt. Die zweite Welle des Hyperrealismus und des Fotorealismus Anfang der neunziger Jahre hatte den Künstler erfasst. Insbesondere die verfremdeten, fotorealistischen Werke von Gerhard Richter führten Kaasik zu der für ihn spezifischen Erforschung von Bildrealitäten.
Die Arbeiten von Ivar Kaasik spielen auf die Vergangenheit und die Vergänglichkeit an und nehmen einen kritischen Standpunkt gegenüber den Massenmedien ein. Schon als Kind bekam er die Auswirkungen der Breschnew-Ära zu spüren. Er wuchs mit sozialistisch geprägter Propagandakunst auf. Zensierte, massenmedial verbreitete Informationen gehörten zu seinem Alltag. Der Künstler erhält einige seine Motive aus der Bilderflut, die täglich von den Massenmedien produziert wird: Kopieren wird zur künstlerischen Methode.
Seine Bilder irritieren. Sie erinnern an unvollkommene Fotografie. Die alltäglichen Motive in realistischer Malweise wirken nicht natürlich, sondern befremdlich. Durch Techniken wie Verwischung und Unschärfe werden die Motive verfremdet und die Vorlage zugleich kommentiert. Vergleichbar mit alten Fotografien sind seine Bilder in gedeckten und reduzierten Farben gehalten. Stilikonen wie James Dean oder Alain Delon erscheinen dem Rezipienten durch die dezente Farbgebung und die immanente Unschärfe kühl und distanziert. Und damit schafft Ivar Kaasik vor allem eines: der Betrachter schaut hin. Genauer, länger, intensiver.