2008-04-13 22:35:04 -
Am 10. April eröffnete seine Exzellenz der Präsident der Republik Madagaskar, Herr Marc Ravalomanana, in Anwesenheit zahlreicher Diplomaten, Politiker und Gäste aus Kultur und Wirtschaft die Ausstellung 'KUNST aus MADAGASKAR'. Die Ausstellung im Art Center Berlin vereint zeitgenössische Kunst aus Madagaskar mit Aspekten der Kultur und Geschichte dieser einzigartigen Insel vor der Ostküste Afrikas. Die präsentierten Werke offenbaren dem Besucher, dass sich madagassische Kunst nicht nur durch die Darstellung von Szenen des alltäglichen Lebens, gemalt in berauschenden Farben, sondern auch durch expressive und gänzlich unerwartete Ausdrucksformen auszeichnet. Neben Protagonisten der
zeitgenössischen Malerei Madagaskars ist auch der Fotograf Pierrot Men vertreten. Seine Schwarzweißarbeiten zeigen in ihrem kontrastreichen Aufbau von Licht und Schatten den Facettenreichtum des madagassischen Lebens und setzen einen Kontrapunkt zu herkömmlichen Klischees bunter Exotik.
Anlass der Ausstellung ist das 125-jährige Jubiläum des deutsch-madagassischen Freundschaftsvertrags. Nie zuvor gezeigte Originaldokumente sowie kommentierte Faksimiles der Korrespondenz zwischen dem deutschen Kaiser Wilhelm I. sowie Otto von Bismarck mit den deutschen Abgesandten auf der Insel im indischen Ozean werden vom Archiv des Auswärtigen Amts im Rahmen der Ausstellung nun erstmals öffentlich zugänglich gemacht. Hinter kunstvollen Schriften und Siegeln offenbart sich der Blick auf die Verflechtungen madagassischer Nationalbestrebungen, französischer Kolonialinteressen und deutsche Diplomatie. Besonders interessant ist auch ein Ausstellungsteil über die Währungsgeschichte des Landes. Zu den Exponaten gehören u. a. Muschel-, Fellgeld und wertvolle historische Banknoten.
Madagaskar ist ein Land reich an den Kulturen seiner verschiedenen Ethnien, geprägt von unterschiedlicher Geographie und Natur.
Die Geschichte der Modernen Kunst in Madagaskar beginnt bereits im 19. Jahrhundert unter König Radama (1810-1828), der im Rahmen der geplanten Modernisierung seines Landes nach europäischen Wissen strebte.
Als das Land französische Kolonie wurde, wandelten die neuen Kolonialherren 1913 den sakralen Bauteil des Palastes in der Hauptstadt Antananarivo zu einer Pinakothek um und 1922 gründete der französische Gouverneur in der Hauptstadt die erste Schule der Künste, seit 1930 wurde dort ebenfalls eine jährliche Kunstmesse installiert. Es versteht sich von selbst, dass die Franzosen damit den Madagassen ihre Kunstvorstellungen und -theorien nahe zu bringen versuchten. Wenn aber auch zunächst die Techniken wie Ölmalerei durch die Madagassen adaptiert wurden, so blieben die einheimischen Künstler in ihren Bildinhalten doch madagassisch. Landschaften, der einheimischen Natur und den Gesichter und Farben ihrer Heimat treu. Diese Form der Malerei brachte die Künstler in Konflikt mit den streng akademisch ausgerichteten Franzosen, die keine eigenständige madagassische Kunst wünschten.
Nach der Unabhängigkeit Madagaskars begann eine Sinnsuche der Kunst und einhergehend häufig auch ein Rückgriff auf die eigenen traditionellen Formen der madagassischen Kultur. In den folgenden Jahrzehnten aber auch zunehmend eine Auseinandersetzung mit der internationalen Moderne, vor allem mit den Techniken der Abstraktion. Dies führte zu einem eigenen Experimentieren der madagassischen Künstler, typisch etwa sind Stilisierung der Bildinhalte und zugleich expressive Ausdrucksweise in Form und Farbe. Durch die reichen, leuchtenden Farben der Tropen konnten die Künstler auf eine üppige Palette zurückgreifen, mit der sie sich vor allem auf die Menschen und die Gesellschaft Madagaskars beziehen und ihre Liebe zum Land ausdrücken.
Selbst die international bekannten Künstler Madagaskars wie Jean-Yves Chen, Liladhar Sandjay oder der Schwarzweißfotograf Pierrot Men sind, trotz oftmals internationaler Ausbildung und weltweiten Ausstellungen doch in einzigartiger Weise der Kultur ihre Heimat verbunden.
Dem Präsidenten der « L´Association pour la promotion des arts naifs, populaires et sacrés du monde » (Apame) Albert Bour ist es mit einer reihe europäischer Ausstellungsprojekte gelungen, die madagassische Kunst besonders zu fördern und einige der besten Bilder der Gesellschaft sind nun im ART CENTER BERLIN zu sehen.