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Genetische Analysen bei privaten Laboren werden immer gefragter - Kritik von Mainzer Medizin-Ethiker Wachstumsmarkt Vaterschaftstests
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| Wachstumsmarkt Vaterschaftstests |
(PR-inside.com 02.12.2006 11:25:55) - Die Gewissheit kommt per Post und kostet 188 Euro. Männern, die
teils seit Jahren an ihrer Vaterschaft zweifeln, liefern Labore wie
die Firma Galantos Genetics in Mainz innerhalb einer Woche eine
genetische Vaterschaftsanalyse mit 99,9-prozentiger Sicherheit. Das
Unternehmen hat damit offenbar einen Wachstumsmarkt entdeckt: Immer
mehr Menschen investieren das Geld für ihre Gewissheit.
Mainz (ddp-rps). Die Gewissheit kommt per Post und kostet 188 Euro. Männern, die teils seit Jahren an ihrer Vaterschaft zweifeln, liefern Labore wie die Firma Galantos Genetics in Mainz innerhalb einer Woche eine genetische Vaterschaftsanalyse mit 99,9-prozentiger Sicherheit. Das Unternehmen hat damit offenbar einen Wachstumsmarkt
entdeckt: Immer mehr Menschen investieren das Geld für ihre Gewissheit.
«Der Bedarf ist riesig und wird noch steigen», ist Alfred Maelicke überzeugt. Er hat vor zwei Jahren Galantos Genetics gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Peter Engels gegründet. «Unser Ziel ist es, DNA-Analysen so preiswert anzubieten, dass sie sich jeder leisten kann», sagt Maelicke. Früher seien genetische Analysen in kleiner Zahl und nur sehr teuer an wissenschaftlichen Instituten vorgenommen worden.
Bei ihnen verließen hingegen rund 500 DNA-Analysen im Monat das Labor zu einem deutlich geringeren Preis, schätzen die Inhaber. Für einen Vaterschaftstest werde die DNA von Vater, Mutter und Kind miteinander verglichen. Väter aus ganz Europa schickten heimlich Speichelproben. Mütter ließen feststellen, wer unter zwei oder drei Männern der biologische Vater sei. Paare kämen gemeinsam zur Vaterschaftsanalyse, um Unterhaltsfragen zu klären. Auch Erbfragen kläre der Beweis der biologischen Verwandtschaft.
Der Medizinethiker Norbert Paul verfolgt den Boom bei privaten Labors skeptisch. Der Leiter des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Mainz ist zwar nicht grundsätzlich gegen die Tests und findet sie beispielsweise bei Unterhaltsfragen sinnvoll. Jedoch sei es unbedingte Voraussetzung, dass alle Personen, deren genetisches Material getestet werde, zustimmten, sagt er.
Heimliche Tests seien «aus ethischer Sicht problematisch» und moralisch der falsche Weg, um Zweifel auszuräumen. Besser sei ein offenes Gespräch mit dem Partner. Die Zweifel der Männer erweisen sich in vielen Fällen tatsächlich als unberechtigt. Engels zufolge bestätigen 80 Prozent der heimlich von Männern eingeschickten Proben, dass ihr Sprössling kein «Kuckuckskind» ist.
Die wachsende Nachfrage auf dem Markt liegt nach Einschätzung des Medizinethikers gerade an den Billigangeboten der Labore. «Durch sie wird die Nachfrage erst geschaffen.» Um gegenzusteuern fordert Paul eine Zertifizierung für Labore, die DNA-Analysen zum Verwandtschaftsvergleich vornehmen. Gemeinsame Beratungsgespräche für die Familie sollten zudem verpflichtend werden. «Genetische Information besitzt eine große Reichweite», gibt er zu bedenken. Sie betreffe nicht nur einen Menschen, sondern gebe auch Hinweise auf Verwandtschaften und genetische Information anderer Menschen.
Aus diesem Grund kann auch Maelicke das Unbehagen in der Öffentlichkeit gegenüber DNA-Tests nachvollziehen. Die Frage, wem man die sensiblen Informationen über sich zukommen lasse, sei durchaus problematisch. Die Vorbehalte rührten jedoch auch davon, dass «in der Öffentlichkeit die Diskussion von Leuten mit einem Halbwissen geführt wird», fügt Engels hinzu. Bei der DNA-Analyse würden nur die Teile des genetischen Materials untersucht, die die Identität eines Menschen bestimmten. Eigenschaften, Haar- oder Augenfarbe oder gar Erbkrankheiten seien nicht erkennbar.
Eine genetische Analyse von sich selbst für private Zwecke hält Maelicke daher für unbedenklich und sogar sinnvoll. Der «genetische Fingerabdruck» identifiziere eine Person zweifelsfrei, auch im Falle eines Unfalls. Für Paul ist es hingegen «reine Geldschneiderei». Dazu gebe es andere Wege nach dem Tod einer Person.
Wer trotzdem Freude an der Erstellung seines genetischen Fingerabdrucks hat, könnte von der neueste Idee von Galantos Genetics begeistert sein: Demnächst können Kunden ihre DNA-Analyse in ein Kunstwerk einarbeiten lassen. Dann kann jeder seinen genetischen Fingerabdruck als Bild an die Wand hängen, als Skulptur ins Regal stellen oder sich in Form einer Uhr ums Handgelenk binden.
(ddp)
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