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Politik

Der 89-Jährige ist wegen Beihilfe zum Mord in 27 900 Fällen angeklagt

Verteidiger stellt Demjanjuk zum Prozessauftakt als Opfer dar


Verteidiger stellt Demjanjuk zum Prozessauftakt als Opfer dar
Verteidiger stellt Demjanjuk zum Prozessauftakt als Opfer dar ©ddp

(PR-inside.com 30.11.2009 12:38:58) - Zum Auftakt des Kriegsverbrecherprozesses gegen John Demjanjuk
vor dem Landgericht München hat Verteidiger Ulrich Busch seinen
Mandanten als Opfer dargestellt. Der 89-Jährige sei «ein
Überlebender des Holocaust, nicht aber Täter», sagte Busch am Montag
in der Begründung eines Befangenheitsantrags gegen
Staatsanwaltschaft und Gericht.

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München (ddp-bay). Zum Auftakt des Kriegsverbrecherprozesses gegen John Demjanjuk vor dem Landgericht München hat Verteidiger Ulrich Busch seinen Mandanten als Opfer dargestellt. Der 89-Jährige sei «ein Überlebender des Holocaust, nicht aber Täter», sagte Busch am Montag in der Begründung eines Befangenheitsantrags gegen Staatsanwaltschaft und Gericht. Demjanjuk stehe «auf gleicher Stufe» wie einer der Nebenkläger, sagte der Anwalt. Der Angeklagte, dem Beihilfe zum Mord
in 27 900 Fällen im Jahr 1943 vorgeworfen wird, wurde im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben. Demjanjuk machte dabei einen völlig apathischen Eindruck. Wegen diverser Krankheiten muss das Verfahren jeweils nach eineinhalb Stunden unterbrochen werden. Insgesamt darf pro Tag maximal drei Stunden gegen Demjanjuk verhandelt werden. Busch begründete seinen Befangenheitsantrag damit, dass in früheren Verfahren vor dem Münchner Gericht Vorgesetzte und Ausbilder Demjanjuks freigesprochen worden seien. «Man fragt sich, wie es sein kann, dass der Befehlsgeber unschuldig, der Befehlsempfänger aber schuldig ist», sagte Busch. Laut Staatsanwaltschaft soll Demjanjuk im Sommer 1943 im deutschen Vernichtungslager Sobibor in Polen Tausende Juden aus Deportationszügen in die Gaskammern getrieben haben. 1942 geriet Demjanjuk auf der russischen Halbinsel Krim in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach wenigen Wochen holten ihn SS-Offiziere in das Ausbildungslager Trawniki in Polen. 1943 soll er als Wächter in Sobibor eingesetzt gewesen sein. Der Prozess begann am Montagvormittag unter chaotischen Begleitumständen und mit über einer Stunde Verspätung. Es gab einen Ansturm von Hunderten Journalisten und Zuhörern. Sie kämpften um einen der lediglich 147 Plätze im Gerichtssaal. Für die über 200 angemeldeten Medienvertreter standen nur 68 Sitze zu Verfügung. Die Justizbehörden zeigten sich völlig überfordert mit der Situation. Es gab erhebliche Drängeleien und Schubsereien. (ddp)


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