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Religion

Theologen-Memorandum



(PR-inside.com 02.02.2012 14:49:54) - Wir sind Kirche ein Jahr nach der Veröffentlichung des Memorandums „Kirche 2011“ der 311 TheologieprofessorInnen: „Von einem wirklichen Dialog sind wir weit entfernt“

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Pressemitteilung München, 2. Februar 2012

„Das vor einem Jahr veröffentlichte Memorandum der Theologieprofessorinnen und professoren war ein notwendiger, hilfreicher und ermutigender Anstoß zur überfälligen Kirchenreform, doch von einem wirklichen Dialog innerhalb der Kirche sind wir weiter denn je entfernt“, erklärt die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche zum Jahrestag der Erstveröffentlichung. „Solange nicht alle Bischöfe zu einem offenen Dialog ohne Denkverbote über die Zukunft der Kirche bereit sind
und ihn auch in Rom mit all seinen Konsequenzen verteidigen, wird die Glaubwürdigkeit der römisch-katholischen Kirche weiter rapide absinken und werden weiter Hunderttausende aus der Kirchengemeinschaft austreten.“

Auf dem Höhepunkt der Kirchen- und Missbrauchskrise im September 2010 hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Dr. Robert Zollitsch einen Dialogprozess angekündigt. Die deutschen Bischöfe konnten sich aber noch nicht einmal auf das zeitnah versprochene gemeinsame Hirtenwort einigen. Das am 4. Februar 2011 veröffentlichte Memorandum der TheologInnen hat – gerade weil es von vielen Bischöfen abgelehnt wurde – die bekannten und theologisch unbestreitbaren Reformforderungen neu gebündelt und ins Bewusstsein gerufen. Erst am 17. März 2011 erschien ein verspätetes Wort der deutschen Bischöfe an die Gemeinden. Am 8./9. Juli 2011 fand in Mannheim die von den Bischöfen einberufene bundesweite Auftaktveranstaltung statt, bei der dann die von manchen Bischöfen unerwünschten „Reizthemen“ zumindest angesprochen werden konnten.

Viele der 27 deutschen Diözesen haben die von der Mannheimer Auftaktveranstaltung angestoßenen Prozesse nur sehr zögerlich aufgenommen. Nur sehr wenige Internet-Seiten der Bistümer informieren überhaupt darüber, wie eine Internet-Recherche von Wir sind Kirche ergab. Beim Papstbesuch, den die Bischöfe als Teil des „Dialogprozesses“ angekündigt hatten, war von Gespräch oder gar Dialog keine Rede mehr. Der Papst ging mit keinem Wort darauf ein.

Die nächste Nagelprobe wird der Katholikentag im Mai 2012 in Mannheim bringen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der gastgebende Freiburger Bischof Zollitsch haben ihn unter das anspruchsvolle Leitwort „Einen neuen Aufbruch wagen“ gestellt. Doch gerade die hochengagierten Kirchenmitglieder werden sich nicht länger mit Vorträgen und Gesprächen über den Reformstau und schöne Visionen vertrösten lassen, wenn gleichzeitig die Zusammenlegungen und Schließungen von Pfarreien (aktuell besonders in den Bistümern München/Freising, Augsburg und Essen) massiv vorangetrieben werden, da der durch den Pflichtzölibat bedingte Priestermangel immer eklatanter wird. Der Dialog über die drängenden pastoraler Fragen muss endlich konkrete Früchte bringen, wie z.B. die Öffnung des Diakonats für Frauen, die Zulassung nach Scheidung Wiederverheirateter wie auch konfessionsverschiedener Eheleute zur Eucharistie – alles Punkte, die längst zum Mindestbestand innerkirchliche Reformforderungen geworden und auch in dem Theologen-Memorandum enthalten sind.

Das Jahr 2011 war nicht nur das Jahr des arabischen Frühlings, sondern auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche ein Jahr vieler Aufbrüche. Immer weniger Menschen und Gemeinden warten auf bischöfliche Zustimmung und Erlaubnisse. Wenn Bischöfe diese Aufbrüche als Skandal und Gefahr für die Einheit der Weltkirche werten, so sollten sie auf Kurienkardinal Walter Kasper hören, der schon vor Langem warnte: Wenn die Bischöfe durch ihre Loyalität gegenüber Rom daran gehindert werden, eigenverantwortlich sach- und situationsgerechte Lösungen für ihre Diözesen herbeizuführen, so wie es ihre Hirtenverantwortung eigentlich ist, dann werden sich viele Seelsorger vor Ort nicht mehr um die nicht mehr praktikablen Normen kümmern.

Vieles ist in Bewegung gekommen. Die KirchenVolksBewegung ruft dazu auf, im Vertrauen auf den Geist Christi beharrlich am Ball zu bleiben, Schein-Dialoge als Hinhaltetaktik zu entlarven und nicht zuzulassen, dass das Rad zurückgedreht wird. Die Problemlösungspotentiale des Zweiten Vatikanischen Konzils, dessen 50 jähriges Jubiläum in diesem Jahr beginnt, sind noch lange nicht ausgeschöpft, sofern wir es nur neu in unsere Zeit hinein übersetzen.

> Wortlaut des Memorandums, UnterzeichnerInnen und mehr: www.memorandum-freiheit.de

> Aktuelle Aufbrüche in der Kirche im In- und Ausland: www.wir-sind-kirche.de/?id=604

Presse-Information:
KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche

Postfach 65 01 15 D-81215 München

Kontakt-Person:
Christian Weisner
Bundesteam
Telefon: +49 (0)8131-260 250 oder mobil +49 (0)172-518 40 8
E-Mail: e-Mail

Web: www.wir-sind-kirche.de


Erklärung: Der Autor versichert, dass die veröffentlichten Inhalte in dieser Pressemitteilung der Wahrheit entsprechen und dem gesetzlichen Urheberrechte unterliegen.
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