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Wirtschaft & Industrie
IG Bau erklärt Tarifverhandlungen für gescheitert - Clement
soll schlichten - Arbeitgeber verlangen Kompromissbereitschaft
Von Vera Fröhlich
Schlichtung soll Streik im Baugewerbe abwenden Dritte Zusammenfassung © AP (PR-inside.com 11.05.2009 16:12:06)
Berlin (AP) Im deutschen Baugewerbe sinkt trotz milliardenschwerer Konjunkturspritzen der Umsatz. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe prognostizierte am Montag für 2009 ein Minus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Außerdem hat die Branche Probleme mit der Gewerkschaft. Die IG Bau erklärte die Tarifverhandlungen für die 700.000 Bauarbeiter offiziell für gescheitert. Der Vorstand beschloss einstimmig, noch diese Woche die Schlichtung anzurufen. Falls sie scheitert, sind ab Ende
Juni Streiks möglich.
Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich bereits auf den früheren Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement als Schlichter geeinigt. Bei der IG Bau laufen bereits die Vorbereitungen für einen Arbeitskampf. Denn wenn die Schlichtung scheitert, endet die Friedenspflicht Ende Juni. Die Bauarbeiter würden «eine Auseinandersetzung nicht scheuen», sagte IG-Bau-Vize Dietmar Schäfers.
Zwtl: Mindestlohn als Knackpunkt
Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um sechs Prozent sowie eine Angleichung der Tarifentgelte im Osten an das Westniveau. Knackpunkt bei den Verhandlungen sind aber die künftigen Mindestlöhne am Bau.
Wiesehügel sagte, die Arbeitgeber hätten jetzt statt 9,00 Euro 9,27 Euro geboten. Im Vorjahr hätten sie aber bereits 9,30 Euro zahlen wollen. Die Branche wolle sich «schamlos an der Krise bedienen». Darauf werde man mit entsprechende Aktionen in den nächsten Wochen reagieren.
«Wir sind bisher mit Unverschämtheiten abgespeist worden», sagte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Ein Arbeitgeber habe ihn offen aufgefordert: «Zeigen Sie uns, dass Sie streiken können.» Die Tarifverhandlungen hätten in drei Verhandlungsrunden keine Annäherung gebracht.
Zwtl: Gewerkschaft «Desinformation» vorgeworfen
Der Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Hans-Hartwig Loewenstein, erklärte, die IG Bau behaupte, die Löhne im Westen sollten auf das ostdeutsche Niveau sinken: «Das ist falsch.» Durch solche «Desinformation» werde die Stimmung auf den Baustellen unnötig aufgeheizt.
Die IG Bau müsse sich jetzt kompromissbereit zeigen, statt die tarifgebundenen Betriebe zu überfordern. «Es kann der Gewerkschaft nicht egal sein, wenn wir durch zu hohe Mindestlöhne bei sinkender Nachfrage zusätzliche Arbeitsplätze gefährden», sagte Loewenstein.
Zwtl: Zwei Prozent weniger Umsatz erwartet
Trotz der staatlichen Konjunkturprogramme rechnet das Baugewerbe in diesem Jahr mit zwei Prozent weniger Umsatz als 2008. Zwar werde im öffentlichen Bau ein Zuwachs von 2,1 Milliarden Euro erwartet, sagte Loewenstein. Das reiche aber nicht aus, um die Rückgänge im Wohnungsbau von 0,9 Milliarden und im Wirtschaftsbau von 2,9 Milliarden auszugleichen. Für die enttäuschende Entwicklung machte der Verband, der rund 35.000 mittelständische Unternehmen vertritt, die zögerliche Umsetzung der Konjunkturprogramme durch Bund, Länder und Gemeinden verantwortlich.
Zwtl: Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen erwartet
Angesichts der Flaute im beschäftigungsintensiven Wohnungsbau rechnet Loewenstein in diesem Jahr mit einem Verlust von rund 10.000 Arbeitsplätzen (minus 1,5 Prozent). 2008 hat die Branche 705.289 Menschen beschäftigt.
Loewenstein schlug weitere Konjunkturimpulse wie die Einführung einer Energiesparprämie vor. Sie sollte 25 Prozent von maximal 20.000 Euro nachgewiesener Arbeitskosten auf energetische Sanierungsmaßnahmen betragen. Damit könnten Wohnungs- und Hauseigentümer ihre Steuerschuld um maximal 5.000 Euro reduzieren.
www.igbau.de
www.zdb.de
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