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Politik
Düsseldorfer Richter stehen vor verwirrenden Terror-Netzwerk - Bomben sollten ein Blutbad anrichten
"Sauerland-Gruppe" vor Gericht (PR-inside.com 21.04.2009 14:04:02) - Die vier Islamisten der sogenannten «Sauerland-Gruppe» - Fritz
G., Daniel S., Adem Y. und Atilla S. - wollten im Herbst 2007 in
Deutschland im Namen Allahs mit gewaltigen Bomben ein Blutbad
anrichten. Sie müssen sich ab Mittwoch in einem der größten
Terrorprozesse der bundesdeutschen Geschichte vor dem
Oberlandesgericht in Düsseldorf verantworten.
Düsseldorf/Berlin (ddp). Die vier Islamisten der sogenannten «Sauerland-Gruppe» - Fritz G., Daniel S., Adem Y. und Atilla S. - wollten im Herbst 2007 in Deutschland im Namen Allahs mit gewaltigen Bomben ein Blutbad anrichten. Sie müssen sich ab Mittwoch in einem der größten Terrorprozesse der bundesdeutschen Geschichte vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf verantworten. Sicherheitskreise wiesen darauf hin, dass das
Gericht vor einem verwirrenden und so gut wie nicht durchschaubaren Terrornetzwerk steht.
Die Gruppe habe zu einem «islamistischen Terror-Verbund» in Deutschland gehört, der sich «mittlerweile mit einer Vielzahl von kampfbereiten radikal-islamischen Männern im Bundesgebiet verbreitet hat», sagte einer der Fahnder der Nachrichtenagentur ddp am Dienstag in Berlin. Verfassungsschützer und Spezialisten des Bundesnachrichtendienstes (BND) gehen davon aus, dass in den vergangenen Jahren über 50 zum Islam konvertierte Männer aus Deutschland in den Terrorcamps in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion auf den «Heiligen Krieg» vorbereitet worden sind.
Ein fünfter Mann fehlt auf der Düsseldorfer Anklagebank. Es ist der Türke Mevlüt K. Er wurde in der Terrorszene «Der Chef» genannt. K. zog die Fäden im Terror-Netzwerk im Bundesgebiet. Er ist in seiner Heimat untergetaucht. Der Türke soll den vier islamistischen Bombenbauern sechs Zünder aus dem Kosovo und 20 Zünder aus der Türkei für die Bomben beschafft haben. Auch Atilla S. soll bei der Beschaffung der Zünder beteiligt gewesen sein.
Die Bombenbauer waren am 4. September 2007 nach einer halbjährigen Fahndung mit bisher nie bekanntem Aufwand von 600 Mitarbeitern der Sicherheitsbehörden in ihrem Versteck im beschaulichen Medebach-Oberschledorn im Sauerland gefasst worden. Seither ist immer die Rede von der «Sauerland-Gruppe».
Die Anschlagsvorbereitungen dieser Gruppe sind nach den Erkenntnissen der Fahnder von der Islamischen Dschihad Union (IJU) gesteuert worden. Sie hat ihre Wurzeln in Usbekistan, führt aber seit längerem die Ausbildungslager für Terroristen in Waziristan an der afghanisch-pakistanischen Grenze, in denen auch die «Sauerländer» besonders für die Anschläge in Deutschland ausgebildet worden sein sollen. Die IJU soll nur 100 bis 200 «Terror-Spezialisten» umfassen und an der Seite der Al-Qaida stehen.
Die «Sauerland-Terroristen» wollten besonders gegen Amerikaner und ihre Einrichtungen in Deutschland mit der Sprengstoffkraft von rund 400 Kilo TNT vorgehen. Zum Vergleich: Bei dem Terroranschlag auf die U-Bahn von London 2005, bei dem 57 Menschen ums Leben kamen, hatten die Islamisten nur neun Kilo TNT eingesetzt. Eine der Parolen der «Sauerland-Gruppe» lautete: «Deutschland sucht die Super-Terroristen».
Deutsche Geheimdienste befürchten, dass der Düsseldorfer Prozess von Anschlägen der Islamisten begleitet werden könnte. Ein Angehöriger des Verfassungsschutzes meinte, die Terroristen könnten «in irgendeiner Weise Rache nehmen wollen und zeigen, dass sie die Angeklagten nicht allein lassen wollen». Erst am vergangenen Wochenende hatte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, vor den Terrorgefahren für Deutschland gewarnt. Die Ausbildung und Planung für Anschläge in Deutschland erfolgten insbesondere in den pakistanischen Terrorcamps.
Für den Düsseldorfer Prozess, der wahrscheinlich zwei Jahre dauern wird, gilt die höchste Sicherheitsstufe. Die Angeklagten sitzen hinter schussfesten Glasscheiben. Wachleute dazwischen sollen jeden Kontakt zwischen den Angeklagten verhindern. Sogar mit ihren Anwälten können die Angeklagten im Gerichtsraum nur über mehrere Luftlöcher in den Scheiben kommunizieren.
Der Vorsitzende Richter, Ottmar Breidling, gilt als ein Mann ohne Pardon. Er ist seit 1996 für Terrorprozesse zuständig. Erst im vergangenen Dezember hatte Breidling den gescheiterten «Kofferbomber» von Köln, Youssef al-Hajdib, wegen versuchten vielfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
(ddp)
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