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"Endstation Sehnsucht" mit Zielbahnhof Lyssewski © apa
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| Lyssewski und Ofczarek überzeugend APA (Techt) |
(PR-inside.com 29.01.2012 10:37:51) - Der letzte Halt ist ein kahles, stickiges Loft: Blanche DuBois ist aus ihrer implodierenden Existenz in der Südstaatenstadt Laurel zu ihrer kleinen Schwester Stella geflüchtet, die mit ihrem ungehobelten Ehemann Stanley Kowalski in New Orleans lebt. Am Wiener Burgtheater wird der Klassiker "Endstation Sehnsucht" dabei zum regelrechten Solostück für Dörte Lyssewski.
(Wien | APA | 2012-01-29 10:35) Der letzte Halt ist ein kahles, stickiges Loft: Blanche DuBois ist aus ihrer implodierenden Existenz in der Südstaatenstadt Laurel zu ihrer kleinen Schwester Stella geflüchtet, die mit ihrem ungehobelten Ehemann Stanley Kowalski in New Orleans lebt. Am Wiener Burgtheater wird der Klassiker "Endstation Sehnsucht" dabei zum regelrechten Solostück für Dörte Lyssewski.
Lyssewski spielt als Blanche mit südlich-derbem Tonfall und ebenso schweren Locken wie Akzent
ihre Schauspielerkollegen an die Wand. In aller Überreiztheit scheint stets die überaus große Fragilität aus der alternden Südstaatenschönheit mit Alkoholproblemen. Diese Figur ist keine ätherische, sondern in aller Unfähigkeit, mit der Realität umzugehen, geerdet. Blieb aus der Verfilmung 1951 primär Marlon Brandos Leistung als Stanley im kulturellen Gedächtnis - wohinter Vivien Leighs Interpretation der Blanche zurückstand -, degradiert Lyssewski die Mitspieler dank ihrer dominanten Präsenz beinahe zu Statisten.
Dennoch bietet die Rolle des einfachen Stanley Nicholas Ofczarek eine optimale Gelegenheit, im Unterhemd wieder einmal mit seinem Bauch zu spielen. Er umschifft jegliche Vergleiche mit Brando und legt seinen Stanley als prototypischen US-Unterschichtler an, als Urviech, das kurz vor der Explosion steht. Blitzte bei Brando stets die Verletzlichkeit, die Melancholie durch die raue Schale, erfolgen bei Ofczarek die Umbrüche in die Verzweiflung umso unvermittelter, heftiger. Katharina Lorenz gibt als Dritte im Bunde die mädchenhaft-naive, letztlich stärkere Schwester, deren sexuelle Hörigkeit zum ungehobelten Stanley jedoch nur in Ansätzen spürbar wird.
Bühnenbildner Karl-Ernst Herrmann hat für dieses Dreieckssolo Lyssewskis einen großen Keil in den Zuschauerraum getrieben, dessen große Tiefe trotz der über das gesamte Stück statischen Bühne und dank der guten Personenführung von Regisseur Dieter Giesing eine beinahe filmische Arbeit mit verschiedenen Spielebenen erlaubt. Zugleich wird der Fluss der einzelnen Szenen durch lange Schwarzphasen bewusst fragmentiert.
Dabei nehmen sich sowohl Herrmann als auch Giesing völlig zurück. Jazz und Ventilator, ein müder Palmzweig vor dem Fenster genügen, um den Eindruck von Südstaatenlethargie zu evozieren. Zugleich behält Giesing die Dialoglastigkeit von "Endstation Sehnsucht" bei, gibt neben der Textfülle im spartanischen Loft nur wenig Raum für deutende Bilder, sondern verlässt sich zu Recht auf seine Schauspieler und die bittere Ironie des Stoffes. Wenn der letzte Satz des Stückes "Alles ist gut" lautet, ist eben evident, dass das genaue Gegenteil der Fall ist.
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