|
Politik
Asten mobilisieren Studenten für Bildungsstreik - Kritik an Novellierung des Hochschulgesetzes
Protest gegen volle Hörsäle und Leistungsdruck (PR-inside.com 14.11.2009 13:26:08) - Am Fenster des politikwissenschaftlichen Instituts der
Justus-Liebig-Universität Gießen klebt ein Plakat in schwarz-gelben
Farben. «Education is not for sale», steht darauf geschrieben. Es
ist ein Aufruf für eine landesweite Demonstration von Lehrern,
Schüler und Studierenden am 17. November in Wiesbaden.
Gießen (ddp-hes). Am Fenster des politikwissenschaftlichen Instituts der Justus-Liebig-Universität Gießen klebt ein Plakat in schwarz-gelben Farben. «Education is not for sale», steht darauf geschrieben. Es ist ein Aufruf für eine landesweite Demonstration von Lehrern, Schüler und Studierenden am 17. November in Wiesbaden. An diesem Dienstag sollen in ganz Deutschland an mehr als 100 Orten Protestaktionen stattfinden - als Auftakt
für einen bundesweiten Bildungsstreik.
Drinnen im Fachschaftsraum der Sozial- und Kulturwissenschaften sitzen die beiden Studentinnen Alexandra Köttig und Anne Naumann am Schreibtisch. Der Computer ist eingeschaltet, die beiden formulieren Mails an Kommilitonen. Sie wollen so viele Menschen wie möglich für die Protestaktionen gewinnen. Damit sind sie nicht allein. In ganz Hessen wird an den Hochschulen für den Bildungsstreik mobilisiert. Die Allgemeinen Studierendenausschüsse aller fünf hessischen Universitäten haben dazu aufgerufen, sich an der Demo in Wiesbaden zu beteiligen.
Darüber hinaus sind weitere Aktionen an den jeweiligen Hochschulstandorten geplant. Hintergrund der Aktionen sind die Forderungen nach einer Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge sowie besseren Studienbedingungen. Zudem wird seitens der Studenten massive Kritik an der Novellierung des hessischen Hochschulgesetzes geübt.
Obwohl die Studiengebühren im Jahr 2008 in Hessen wieder abgeschafft wurden, gibt es für die 25-jährige Anne genug Gründe, am Dienstag auf die Straße zu gehen: «Ich bin total unzufrieden mit der Konzipierung der Bachelor- und Masterstudiengänge», sagt sie. Sie studiert «Social Science», eine Kombination von Politikwissenschaften und Soziologie, im fünften Semester. Im nächsten Jahr will sie die Bachelorarbeit schreiben. Danach würde sie gerne noch einen Master dranhängen. «Weil man mit dem Bachelorabschluss einfach nicht genug qualifiziert ist», sagt sie und klagt darüber, dass sie in ihrem Studium bis jetzt keinen individuellen Schwerpunkt habe setzen können, das Studium zu verschult sei, Wahlmöglichkeiten fehlten.
Ihre Freundin Alexandra berichtet von einer Dozentin, die angesichts eines überfüllten Hörsaals empfohlen hätte, sich in Gruppen zu je zwei Personen zusammenzufinden und sich mit dem Besuch der Vorlesung wöchentlich abzuwechseln. «Und dann haben wir nach den sechs Semestern Bachelorstudium nicht einmal eine Garantie darauf, einen Studienplatz im Masterprogramm zu bekommen», sagt Anne frustriert. Zwei verschiedene Masterstudiengänge gebe es in ihrem Bereich an der Uni Gießen - mit je 30 Plätzen. «Wir sind aber allein etwa 150 Studenten in unserem Semester», berichtet Alexandra.
Mit diesen Problemen sind die beiden Studentinnen nicht allein. Ob Kassel, Marburg, Gießen, Frankfurt oder Darmstadt - überall werden Klagen über überfüllte Hörsäle und Leistungsdruck in den Bachelorstudiengängen laut. In Marburg und Darmstadt hielten Studenten in der vergangenen Woche das Audimax besetzt. Auf Geheiß der Hochschulleitung wurden die Besetzungsaktionen jedoch beendet. Für die Aktionsbündnisse vor Ort ist das jedoch kein Grund, den Protest zu beenden. In Marburg ist für Montagabend eine Demonstration geplant zu der die Veranstalter, das Aktionsbündnis «Bildungsstreik Marburg», zwischen 500 und 800 Teilnehmer erwarten. Die Asten mobilisieren an allen hessischen Hochschulstandorten für die Demo in Wiesbaden.
Auch von der Universität Kassel werden am Dienstag Studenten mit Bussen nach Wiesbaden fahren. «Es geht uns um die Studienbedingungen. Die sind derzeit einfach unerträglich», sagt Asta-Vorsitzende Annita Hunstock und berichtet im selben Atemzug von einer Mathevorlesung, zu der ihre Kommilitonen morgens um 6.00 Uhr antreten müssten. «Weil zwischen 8.00 und 20.00 Uhr einfach kein Raum mehr frei war. Die Vorlesung findet außerdem in zwei Hörsälen gleichzeitig statt. In den einen Raum wird sie per Video übertragen.»
Anne und Alexandra aus Gießen sind zuversichtlich, mit dem Bildungsstreik etwas verbessern zu können: «Wenn man nicht sagt, was man will, wird auch keiner drauf hören», sagt Anne. Schließlich habe man in Hessen so auch dazu beigetragen, dass die Studiengebühren wieder abgeschafft wurden.
(ddp)
|
| Erklärung:
Das Copyright für sämtliche Nachrichten und Bilder, die mit ddp gekennzeichnet sind und auf PR-inside.com publiziert werden, obliegt der Nachrichtenagentur ddp Deutscher Depeschendienst GmbH. Wenn Sie Fragen zu den veröffentlichten Meldungen haben, kontaktieren Sie bitte ddp.
|
|
|
|
|
|