Suchtberater wirft Alkoholindustrie und Politikern Zynismus vor Wochenendzusammenfassung
05.07.2009 13:37:01 -
Frankfurt/Main (AP) In der Debatte über jugendliche Komasäufer hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen der Politik und der Alkoholindustrie Zynismus und Verlogenheit vorgeworfen. «95 Prozent aller Erwachsenen trinken Alkohol. Deswegen spricht man besser über saufende Jugendliche - damit vergrätzt man keine Wähler», sagte Hauptgeschäftsführer Raphael Gassmann der «Frankfurter Rundschau». Dabei nehme das exzessive Trinken in allen Altersstufen zu, «sogar bei den 80-Jährigen».
«Wir sind in Deutschland auf einem katastrophal hohen Niveau, sechster Platz weltweit, rund zehn Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr», sagte der Suchtbekämpfer. Die Alkoholindustrie tue nichts dagegen, im Gegenteil: Um Jugendlichen den Einstieg ins Trinken zu erleichtern, seien die süßlichen Alkopops entwickelt worden. «Hat fürchterlich gut geklappt», sagte Gassmann.
Auch der Jugendschutz sei hierzulande in der Praxis katastrophal: «Ich erinnere daran, dass der Vorstand des Bundesverbandes Tankstellen sich jüngst vor die Presse gestellt und angekündigt hat, dass die Tankstellenpächter ab 2010 dann doch mal das Jugendschutzgesetz einzuhalten gedenken», sagte Gassmann und ergänzte: «Das war der Punkt, da hätte der Mann angezeigt werden müssen. Aber er hat Applaus gekriegt.
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