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Bischöfe in Südafrika für Gebrauch von Kondomen - Kritik am Papst - Täglich etwa 400 Aids-Tote allein in Simbabwe Von Michelle Faul

Zölibat und Aids fordern die katholische Kirche in Afrika heraus -Hintergrund



20.03.2009 08:25:03 -

Luanda (AP) Die katholische Kirche ist in Afrika auf dem Vormarsch, zugleich steht sie dort aber vor enormen Herausforderungen: Die sture Haltung des Vatikans zum Gebrauch von Kondomen und das Festhalten am Zölibat drohen die Glaubensgemeinschaft zu spalten. Papst Benedikt XVI. scheint bei seiner derzeitigen Reise neues Öl ins Feuer zu gießen statt Wunden zu heilen.
«Ich bete für Gott und für den Papst, dass sich diese Dogmen ändern», sagt die katholische Krankenschwester Luzia Gaspar. «Es ist sehr gefährlich. Wenn wir den Menschen nicht raten, Kondome zu nutzen, verurteilen wir sie fast zum sicheren Tod», warnt Gaspar, die seit 31 Jahren praktiziert und am Stadtrand der angolanischen Hauptstadt Luanda Hebammen ausbildet. Die jüngsten Äußerungen des Papstes, wonach die Verteilung von Kondomen nicht die richtige Lösung im Kampf gegen Aids sei, haben in Afrika eine Welle der Empörung ausgelöst - bis hinein in die Kirchenhierarchie.
Eine Gruppe von 14 südafrikanischen Nonnen, die Aids-Opfer versorgen, hat die Organisation Nonnen für Gerechtigkeit gegründet, um gegen die Ächtung der Präservative zu protestieren. Im vergangenen Jahr empfahlen auch die südafrikanischen Bischöfe Ehepaaren, bei denen ein Partner mit HIV infiziert ist, Kondome zu benutzen - trotz der starren und ablehnenden Haltung aus Rom.
Zwtl: Bischof empfiehlt Nutzung von Kondomen
Bischof Kevin Dowling geht sogar noch einen Schritt weiter als seine Kollegen. Der Geistliche sagt, es breche ihm das Herz, sterbende Mütter mit ausgemergelten Babys unter den Aids-Opfern zu sehen. Wenn sich die Menschen nicht an die Lehre der Kirche hielten, dann «sollten sie ein Kondom benutzen, um eine möglicherweise tödliche Übertragung zu vermeiden».
Papst Benedikt muss wissen, wie dramatisch die Lage im Afrika südlich der Sahara ist: Rund 22 Millionen Menschen sind dort laut UNAIDS HIV-positiv; drei Viertel aller 2007 weltweit an Aids gestorbenen Menschen kamen aus der Region. Allein in Simbabwe erliegen nach Schätzungen von Hilfsorganisationen jeden Tag bis zu 400 Menschen der Immunschwächekrankheit. Rund 15 bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sollen in dem mehrheitlich christlichen Land mit dem Aids-Erreger infiziert sein.
Die Seuche wütet in Afrika. Viele christliche Organisationen engagieren sich im Kampf gegen Aids oder pflegen die Opfer. Doch der Papst mauert - eine Studie des päpstlichen Rates für Gesundheit, in der theologische Positionen der Kirche zum Kondomgebrauch erörtert werden, liegt seit geraumer Zeit im Vatikan auf Eis.
Zwtl: Abschaffung des Zölibats befürwortet
Viele Priester des schwarzen Kontinents ignorieren auch das vatikanische Gebot des Zölibats, das in vielen afrikanischen Gesellschaften paradox ist, wo kinderlose Männer nicht hoch angesehen sind. «Es ist weit verbreitet in der Kirche, dass Priester Affären haben», sagt Velesiwe Mkwanazi. Sie selbst kenne zwei Pfarrer mit Kindern, sagt die Mitgründerin der Organisation Ordination für Frauen in Südafrika. Oft werde die Schuld den Frauen zugeschoben. «Aber wir sind erzogen, Männer zu respektieren und zu ehren. Frauen können einen Priester nicht ablehnen, der uns als tägliche Quelle der Kommunikation mit Gott präsentiert wird», sagt Mkwanazi.
Pfarrer Simangaliso Mkhatshwa, der auch ein führendes Mitglied der südafrikanischen Regierungspartei ANC ist, geht noch weiter. Er fordert eine offene Diskussion über das Zölibat unter den «Laien, den Priestern selbst und den Bischöfen in diesem Land sowie auch international. Einige dieser Regeln wurden für eine bestimmte Zeit erlassen, und es passiert manchmal, dass wir fragen müssen, ob einige dieser Regeln noch relevant sind», sagt Mkhatshwa.
Auch Mike Auret, der 20 Jahre lang bei der Bischofskonferenz von Simbabwe beschäftigt war, fordert einen Kurswechsel. «Wenn wir den Skandal von Priesterkindern stoppen wollen, müssen wir umdenken.» Einer der aufsehenerregendsten Fälle war der des simbabwischen Erzbischofs Pius Ncube. Er gestand unter öffentlichem Druck, eine Affäre mit einer verheirateten Katholikin gehabt zu haben, und trat 2007 zurück, nachdem im staatlichen Fernsehen Bilder gezeigt worden waren, die ihn angeblich nackt mit einer Frau im Schlafzimmer zeigten.
Benedikt appellierte während seines Besuchs in Kamerun am Mittwoch an die Bischöfe, die Werte der traditionellen afrikanischen Familie vor den Gefahren der Säkularisierung und Moderne zu schützen. In Angola will der Papst am (heutigen) Freitag der Taufe des ersten Afrikaners durch portugiesische Missionare 1491 gedenken. Für den von Aids bedrohten Kontinent hat Benedikt aber nur die scheinbar ebenso alte Lehrmeinung mitgebracht.



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