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Großer Zulauf nach Berichten über Missbrauch in Kirche und Schulen
Präventionsprojekt der Polizei macht Kinder stark gegen Missbrauch (PR-inside.com 31.07.2010 20:26:02) - Es gibt gute und schlechte Geheimnisse. Das ist eine der wichtigsten Botschaften, die Wolfgang Könen Grundschülern vermittelt. Der Kriminalbeamte vom Polizeipräsidium Rheinpfalz besucht regelmäßig Schulen und klärt Mädchen und Jungen im Rahmen des Projekts «Kinder stark machen» unter anderem über die Gefahren sexuellen Missbrauchs auf.
Ludwigshafen (ddp). Es gibt gute und schlechte Geheimnisse. Das ist eine der wichtigsten Botschaften, die Wolfgang Könen Grundschülern vermittelt. Der Kriminalbeamte vom Polizeipräsidium Rheinpfalz besucht regelmäßig Schulen und klärt Mädchen und Jungen im Rahmen des Projekts «Kinder stark machen» unter anderem über die Gefahren sexuellen Missbrauchs auf. «Täter erzählen ihren jungen Opfern, der sexuelle Übergriff sei ein Geheimnis, das gewahrt werden müsse. Ich erkläre den
Kindern, wieso sie das Recht haben, das Geschehene den Eltern oder einem Lehrer zu berichten», sagt der 45 Jahre alte Polizist.
Das Kompetenzzentrum Polizeiliche Prävention in Ludwigshafen hat sich das Ziel gesetzt, das Selbstbewusstsein von Kindern zu stärken. «Starke und selbstbewusste Kinder sind schwierigere Opfer für potenzielle Täter», sagt er. Seit Beginn des Projektes «Kinder stark machen» im vergangenen Jahr seien Gespräche mit etwa 7300 Schülern und etwa 1700 Eltern geführt worden - Tendenz steigend. Durch die zahlreichen Fälle sexuellen Missbrauchs, die während der vergangenen Monate öffentlich geworden sind, sei das Interesse enorm gestiegen.
«In den vergangenen Monaten hat die Sensibilität für das Thema eindeutig zugenommen», berichtet Könen. So seien momentan Elternabende mit bis zu hundert interessierten Müttern und Väter keine Seltenheit. «Eine gute Entwicklung», wie der Kriminalbeamte sagt. Denn allzu oft reagierten Eltern noch mit Ungläubigkeit, wenn Kinder in ihrer oftmals verklausulierten Sprache von traumatischen Erlebnissen mit Erwachsenen - möglicherweise sogar aus dem Freundes- oder Verwandtenkreis - berichteten.
Manchmal, sagt Wolfgang Könen, erschrecke er aufgrund der Kommentare mancher Kinder. «Es komme vor, dass sie sexuelle Handlungen oder körperliche Merkmale beschreiben, von denen sie eigentlich überhaupt noch keine Ahnung haben sollten», berichtet der Polizist.
In solchen Fällen folgen Gespräche mit den Lehrern, Hilfsorganisationen und Beratungsstellen. «Es ist sehr wichtig, als Eltern zu hinterfragen, weshalb ihr Kind plötzlich beispielsweise eine Abneigung gegen den Nachhilfelehrer oder den Onkel entwickelt hat», sagt Könen. «Das muss nichts zu bedeuten haben, kann aber.» Für viele Eltern sei es schwierig, sich solche Situationen überhaupt vorzustellen. «Das Muster, wonach nicht sein kann, was nicht sein darf, ist problematisch», mahnt er.
Die Hauptadressaten der Polizeiarbeit aber bleiben die Kinder. Den Grundschülern berichtet Könen nicht nur über die Arbeit der Polizei, er bespricht mit den Kindern auch beispielsweise, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie etwa von einem fremden Autofahrer angesprochen werden oder wenn ein Unbekannter auf dem Spielplatz engen Kontakt sucht. Alleine in der Wohnung zu sein, während es an der Tür klingelt, das sei für viele Kinder eine beängstigende Vorstellung.
Kommissariatsleiter Fritz Walser sagt, es sei entscheidend, dass sich Kinder gar nicht erst in eine Opferrolle drängen lassen. Im stetig fortgeschriebenen Konzept der Polizeiprävention spiele daher die «Ich-Stärke» eine große Rolle. «Jedes Kind hat Stärken, sei es im Sport, im kreativen oder im sozialen Bereich. Wir wollen gemeinsam mit den Lehrern daran mitwirken, dass diese Stärken den Kindern bewusst werden», sagt Walser. Denn, so die Idee dahinter, ein selbstbewusstes Kind hat ein anderes Auftreten: «Es ist für ein unsicheres Kind viel schwieriger, einem Erwachsenen zu sagen, 'Lass mich in Ruhe, ich will das nicht!'», sagt Walser.
Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei in Rheinland-Pfalz insgesamt 683 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums Rheinpfalz wurden 122 Fälle registriert. Zwar liegt die Aufklärungsquote hier bei 91 Prozent - im gesamten Bundesland beträgt sie 86 Prozent - aber: «Es ist schwierig einzuschätzen, wie viele Fälle nicht gemeldet werden», sagt Walser. Deswegen sei das Projekt wichtig, denn es könne betroffene Kinder dazu ermutigen, dass sie sich an Eltern, Lehrer oder die Polizei wenden und das «schlechte Geheimnis» nicht für sich behalten und still leiden.
ddp
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