Offener Leserbrief zu dem Beitrag: “Robert Zollitsch: Auch wir wollen die Wahrheit wissen” in der “FAZ” vom 15.6.2009
(PR-inside.com 06.07.2009 16:02:08) - Erzbischof Robert Zollitsch erweckt den Eindruck, dass seine Kirche ehrlich an der Aufklärung der Missstände interessiert ist, zu denen es in der katholischen Heimerziehung der Nachkriegszeit kam. Er bietet den Betroffenen sogar Unterstützung bei der Aufklärung an.
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Als Anwalt eines der betroffenen Opfer erlebe ich (Dr. Christian Sailer) gegenwärtig leider das Gegenteil: In einem anhängigen Gerichtsverfahren geht es um die Zustände, die in den 1960-iger und 1970-iger Jahren im Würzburger Marienheim herrschten. Das von mir vertretene Opfer, eine heute 48-jährige Frau, berichtet, dass die Kinder des Heims täglich geschlagen und gedemütigt wurden und dass sie selbst regelmäßig sexuell missbraucht wurde.
Ihre Angaben
wurden im Rahmen eines klinisch-psychologischen Gutachtens durch einen Professor der katholischen Universität Eichstätt für glaubwürdig erklärt. Der Vizeoffizial der Diözese Eichstätt bat daraufhin den Würzburger Bischof, der Frau Entschädigung zu leisten. Wörtlich schreibt er: Frau W. ist glaubwürdig, und es liegt leider ein besonders gravierender und schwerwiegender Fall sexuellen Missbrauchs vor.
Das bischöfliche Ordinariat lehnte den Vorschlag ab und verwies darauf, dass bereits Entschädigungsleistungen in Höhe von 15.000 Euro erbracht worden seien. Daraufhin entschloß sich die schwer traumatisierte Frau zur Erhebung einer Klage gegen die Diözese Würzburg.
Da sie arbeitslos ist, benötigte sie hierfür Prozesskostenhilfe, die ihr das Gericht auch gewährte, weil es die Klage nicht für aussichtslos hält allerdings nur hinsichtlich einer Entschädigung für die letzten fünf Monate des insgesamt zehnjährigen Heimaufenthalts. Der Rest fällt unter den Tisch, weil sich die Diözese Würzburg auf Verjährung beruft.
Ich habe mich deshalb zunächst an den Papst gewandt und ihn gebeten, den Bischof zu bewegen, auf die Verjährungseinrede zu verzichten. Meine beiden Briefe an den Vatikan vom April und September 2008 blieben unbeantwortet. Als ich mich dann an den Erzbischof Zollitsch als den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz wandte, um nun diesen zu bitten, dafür zu sorgen, dass
die Aufklärung der Sachverhalte und die Entschädigung des Missbrauchsopfers nicht durch die Einrede der Verjährung blockiert wird, teilte mir der Sekretär des Erzbischofs mit, dass der Vorsitzende aus grundsätzlichen Erwägungen heraus keine Stellungnahme zu schwebenden Verfahren abgibt.
Ist das die Bereitschaft, von der Erzbischof Zollitsch in seinem Artikel so vollmundig schrieb: Wir setzen uns mit aller Kraft für größtmögliche Transparenz ein … und bieten den Betroffenen unsere Unterstützung bei der Aufklärung an.?
Verantwortlich für den Text: Dr. Christian Sailer
Foto: Willi Schewski – www.fotopresse-nord.de
Presse-Information: Fotopresse Nord
Willi Schewski
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