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Eisbärenaufzucht/ Kritik an den Zoos

Offener Brief an den Zoo Berlin wegen Knut


Offener Brief an den Zoo Berlin wegen Knut
Peter H. Arras- Gründer und Leiter der AKT- Aktion Konsequenter Tierschutz gGmbH

(PR-inside.com 08.02.2008 00:04:08) - Tiere wildlebender Arten - menschlicher Willkür ausgesetzt

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AKTgGmbH Peter H. Arras *Kindenheimer Str.2 *67308 Biedesheim

Zoologischer Garten Berlin AG
z. Hd. Direktor
Herrn Dr. Bernhard Blaszkiewitz
Übermittlung per Telefax:
030/ 25401-255
Mit der Bitte um rasche Weiterleitung!

- Dem Leben unsere Stimme leihen -

Biedesheim, den 07.02.2008
Betr.: Offener Brief bezüglich Eisbär KNUT und seine Aufzucht und Haltung

Der stellvertretende Direktor des Tiergarten Nürnberg, Dr. Mägdefrau, gibt Auskunft: 'Um das Risiko einer Fehlprägung auf den
Menschen ge-ring zu halten, versucht der Tiergarten ein anderes Waisenkind zur Auf-zucht nach Nürnberg zu holen. Es ist auch eine gemeinsame Aufzucht mit anderen Bärenarten möglich. Die Handaufzucht einer, auch ge-mischten Bärengruppe, hat sich im Tiergarten sehr bewährt.'

Sehr geehrter Herr Direktor, sehr geehrte Damen und Herren,

die Wegnahme von FLOCKE von ihrer Mutter VERA und die daraus resultierende 'Schaf-fung, oder besser 'Kreierung' eines zweiten Knuts' im Tierpark Nürnberg hat nun auch das Interesse an Knut und seinem Werdegang neu ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Es ist nur natürlich, dass man beide Aufzuchtvorgänge miteinander vergleicht und die Frage aufwirft, ob bei der Aufzucht der Bären Fehler gemacht wurden bzw. werden.
Es ist dem Unterzeichner gelungen, diese Fragen in verschiedenen Medien wie Bild, BamS, Spiegel, Geo-online, Dailymail, BZ etc. aufzuwerfen und konstruktive Kritik an den Vorgängen in unseren Zoos und bezüglich des Mensch- Tier- Verhältnisses zu üben.
Wir laden Sie hiermit ein, sich konstruktiv und wahrhaftig an dieser Diskussion als Verantwort-liche in verantwortlicher Weise zu beteiligen.

Wir nehmen obiges Zitat aus der Website der Stadt Nürnberg und aus dem Munde Ihres Amtskollegen Dr. Mägdefrau aus dem Tiergarten Nürnberg zum Anlass, Ihnen die Möglichkeit einer Stellungnahme bezüglich der Tatsache zu geben, dass Knut von Anbeginn seiner Auf-zucht ohne jeden sinnlichen (insbesondere geruchlichen) Kontakt zu Artgenossen oder ähnli-chen Spezies gewesen ist.
In der Bildzeitung vom 16.01.2008 wird folgende Äußerung des Geschäftsführers des Ver-bandes deutscher Zoodirektoren, Herrn Prof. Hubert Lücker zitiert: 'Das Verhalten von Eis-bären ist genetisch festgelegt. Wenn sich bei Knut die Hormone melden, ist das, als ob ein Schalter umgelegt würde. Knut wird sich - wenn er geschlechtsreif ist - ganz normal verhal-ten.' Zitatende.
Dieses Zitat steht ganz klar im Gegensatz zu dem vorherigen Zitat des Herrn Dr. Mägdefrau aus Nürnberg. Wie verhält sich Ihre Position hierzu?

Knut wurde vom ersten Tage seines Lebens künstlich aufgezogen - im Gegensatz zu Bärin Flo-cke hatte er keine frühkindliche Prägung auf die Gerüche und Nähe seiner Mutter erfahren. Knut wurde von einem männlichen Menschen (Herrn Thomas Dörflein) aufgezogen und von diesem in für Tierfachleute ungebührlicher Weise vermenschlicht - ganz so, wie wir es bei Heimtierhaltern gegenüber Hunden und Katzen leider kennen.
Ihm wurde Elvis Presley vorgespielt, sein Fell wurde angeblich mit nicht geruchsneutralem Öl eingerieben und zu Weihnachten bekam er gar einen Weihnachtsbaum. Wie sicher auch Sie wissen, ähneln sich die Körpergerüche von Menschen (Primaten), Hunden, Schweinen, Bären, Mardern etc. qualitativ sehr - lediglich quantitativ haben wir es bei den verschiedenen Spezies mit unterschiedlichen Intensitäten zu tun. Anstatt eine weibliche Pflegeperson mit der Auf-zucht von Knut zu betrauen, entschieden Sie sich für einen männlichen Pfleger.

Anstatt die wertvollen Prägephasen dazu zu nutzen, KNUT auf artspezifische Reize, insbeson-dere Gerüche zu prägen, wurde er tierwidrigen Reizen ausgesetzt. Bis heute hat er nie einen Bären zu Gesicht bekommen und die diffusen Gerüche benachbarter Bären hat er nie gelernt, zuzuordnen. Die Eisbärenanlage ist ca. 200 Meter (Luftlinie) weit von Knuts Anlage entfernt.
Es wäre Ihnen durchaus möglich gewesen, Knut von Anbeginn seines Lebens mit Gerüchen seiner Mutter Tosca zu konfrontieren, z.B. indem Sie dieser Bauchfell abgeschoren und dieses in einem Stoffbeutel in Knuts Aufzuchtanlage getan hätten. Sie hätten ihn im Nachtkäfig seiner Mutter spielen lassen können, bevor dieser gereinigt wurde und Sie hätten auch den Geruch von Urin seiner Mutter in seinen Umgebungsbereich verbringen können etc.

Stattdessen haben Sie absolut nichts getan, um Knut als Eisbär psychisch zu authentizieren. Bis heute wird er völlig isoliert gehalten und hat keine andere Möglichkeit, als sich mit sich selbst zu beschäftigen, nachdem ja nunmehr Herr Dörflein aus Sicherheitsgründen von Ihnen unter-sagt bekam, sich Knut zu nähern. Knut markiert tagtäglich vor seinem (wegen geringer wer-dendem Kindchenschema) schrumpfenden Publikum den Alleinunterhalter und Clown, anstatt mit anderen Bärenjungen spielen zu können. Die wichtige Kindheit und Jugendzeit verrinnt für ihn ungenutzt.
Weshalb, so fragen wir Sie, haben Sie in den 14 Monaten, seitdem Knut lebt, nichts getan, um ihm einen geschwisterlichen Genossen - und sei es ein Braun-bär - hinzuzugesellen? Weshalb wissen die Nürnberger Zoofunktionäre offen-sichtlich mehr über Ethologie und Verhaltensbiologie als Sie?

Eisbären leben ihre ganze Kindheit und Jugend lang, also drei bis vier Jahre, ausschließlich in der Gesellschaft ihrer Mutter sowie ein bis drei Geschwistern, obschon sie später solitär leben. Weshalb leistet sich Ihres Erachtens die Spezies Eisbär eine so lange Kindheit und Ausführzeit, wenn das gesamte Verhaltensspektrum eines Eisbären, 'an-geblich' angeboren ist?

Weshalb nutzen Sie nicht die noch verbleibende Jugendzeit von Knut (also zwei bis drei Jahre), um ihm jetzt - besser spät als nie - einen Spielgefährten, und sei es eine junge Braunbärin, hinzu zu gesellen?
Weshalb bitten Sie nicht den Tierpark Hellabrunn um die Eisbärin Gianna, die dieser erst kürzlich aus Italien eingekauft hatte, (um sie mit zwei adulten Eisbä-ren zu vergesellschaften!)?
Knut könnte mit Gianna gemeinsam aufwachsen und vor der Geschlechtsreife könnten die gleichaltrigen Tiere getrennt werden, so wie sich auch Geschwister in der Wildbahn in dieser Zeit trennen - um Inzucht (beide sind, wie Sie ja wissen, nahe verwandt) zu vermeiden.
Sie sollten doch wissen, dass Sie nicht nur Ihre tierfachliche Prädestination als Zoofunktionäre dazu anhalten sollte, Tiere art- und verhaltensgemäß zu halten, sondern nicht zuletzt auch das Tierschutzgesetz.

Es ist aus unserer Sicht verwerflich, mit ansehen zu müssen, wie ein Zoo ein Tier emotional und gewinnorientiert ausbeutet und dabei nichts unternimmt, um dem Tier verhaltensbiolo-gisch/ ethologisch gerecht zu werden.

Wir fordern Sie deshalb auf, der Öffentlichkeit Ihr Verhalten und Unterlassen gegenüber Knut plausibel zu machen und bezüglich unseres Schreibens fundiert und schlüssig Stellung zu bezie-hen sowie geeignete Maßnahmen unverzüglich einzuleiten, die sicherstellen, dass Knut er-fährt, dass er ein Bär, ein Eisbär, ein männlicher Eisbär ist.

Die Äußerung Ihres Zootierarztes Herrn Dr. Andreas Ochs in BZ- Berlin vom 27.01.2008 ist entlarvend und für Ihre Zunft beschämend zugleich, beweist sie doch, dass ganz offensichtlich zumindest dieser Mann keine Ahnung von Tierpsychologie aufweist.
Zitat: 'Knut riecht andere Bären - auch weibliche. Schließlich wohnen Braun- und Eisbären rund um sein Gehege.' Zitatende.

Es sollte Ihnen auch aus eigener Lebenserfahrung doch wohl klar sein, dass Reize einer Zuord-nung bedürfen, um im Gehirn als gemachte Erfahrung oder Erkenntnis abgespeichert werden zu können. Was nutzen Knut diffuse Gerüche aus Nachbaranlagen, wenn er nicht weiß, wie die Duftquelle aussieht, sich verhält und wie er ihr gegenüber positioniert ist.
Eine Regel der Psychologie lautet: 'Wir bekommen Aufschluss über uns selbst durch die Re-flektion von außen.' In Knuts Welt gibt es Menschen, Nebelkrähen und Dohlen - weiter nichts.

Ungeachtet der Frage, inwieweit Sie als Zoo Ihre Pflicht zur Aufklärung der Öffentlichkeit be-züglich Tier- und Naturkunde im Falle von Knut erfüllt haben (u. E. leider gar nicht), geben wir Ihnen hiermit die Möglichkeit, möglichst rasch und fundiert auf unser Schreiben zu reso-nieren.
Wer eine Tieraufzucht aus Gewinnstreben heraus zum Spektakel macht, wie Sie es im Falle Knut getan haben, der muss auch akzeptieren, dass sein Vorgehen kritisch hinterfragt wird!

Von Ihrer Antwort machen wir das weitere Vorgehen bezüglich unserer Öffentlichkeits- und Medienarbeit abhängig sowie die Frage nach der Möglichkeit einer Strafanzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bezüglich der Haltung von Knut im Hinblick auf Verhaltensgerech-tigkeit.
Sie tragen die Verantwortung, wenn Knut nach erlangter Geschlechtsreife eine antisoziale und unberechenbare Charakterstruktur aufweist, womöglich nicht vergesellschaftet werden kann und vielleicht Pflegepersonal gefährdet und am Ende euthanasiert werden muss.

Es versteht sich von selbst, dass wir dieses Schreiben den Medien zur Kenntnis bringen werden.
Ebenso erhält Herr Minister Gabriel in seiner Eigenschaft als KNUT- Pate dieses Schreiben zeitgleich übermittelt.

In gespannter Erwartung Ihrer baldigen Reaktion verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen


AKT-AKTION KONSEQUENTER TIERSCHUTZ
gemeinnützige Gesellschaft mbH


Peter H. Arras
Gründer

Kopie an:
1.) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Der Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD)
Ministerbüro
Alexanderplatz 6
D - 10178 Berlin
Fax: 01888-305-4375

2.) Diverse Tierschutzverteilersysteme

3.) Diverse Medien/ Presse

4.) Tierpark Nürnberg
Kontaktinformation:
AKT- Aktion Konsequenter Tierschutz
gemeinnützige Gesellschaft mbH


Kindenheimer Straße 2
67308 Biedesheim

Kontakt-Person:
Peter H. Arras
Geschäftsführer
Telefon: 06355 / 955609
E-Mail: e-Mail




Autor:

Peter H. Arras

Peter H. Arras
e-mail
Web: www.akt-mitweltethik.de
Telefon: 06355/ 955609

Erklärung: Der Autor versichert, dass die veröffentlichten Inhalte in dieser Pressemitteilung der Wahrheit entsprechen und dem gesetzlichen Urheberrechte unterliegen.


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