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Gesellschaft & Kultur

Das große Schweigen

Noch immer löst das Thema häusliche Gewalt betroffenes Schweigen aus



(PR-inside.com 09.03.2010 16:41:59) - Häusliche Gewalt noch immer ein Tabuthema. Obwohl man im Internet tausende Seiten zu diesem Thema findet, obwohl es viele Institutionen gibt die sich dem Kampf gegen häusliche Gewalt verschrieben haben, löst es beim Gegenüber schweigen aus, wenn man über seine Erfahrungen spricht

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13 Jahre habe ich häusliche Gewalt erlebt, geschwiegen habe ich sogar noch länger. Erst 2008 fand ich den Mut mich ernsthaft mit der Veröffentlichung meiner Geschichte zu befassen. 10 Jahre nach Beendigung der Beziehung brach ich mein schweigen. Im Oktober wurde meine Geschichte mein Leben, durch die Veröffentlichung meines Buches „Gesprengte Fesseln“ Erfolgreicher Ausbruch aus häuslicher Gewalt, öffentlich. Seitdem schon einige Male verkauft, auch viele
Reaktionen erhalten. Doch nur wenige auf den Inhalt bezogen. Fast alle halten mich für stark weil ich den Mut gefunden habe damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Doch so stark bin ich gar nicht. Ohne einen starken Background würde ich auch heute noch schweigen.

Warum habe ich geschwiegen, werden Sie sich jetzt fragen. Scham das ich dies mit mir habe machen lassen. Scham das ich mich nicht gewehrt habe. Angst vor den Blicken und Meinungen der anderen. Angst vor Reaktionen wie ich sie zuletzt bei einem Seelendoktor erhalten habe, der meinte sind sie doch selber schuld wenn sie solange geblieben sind. Warum rede ich jetzt doch, warum gehe ich offen mit diesem Thema um? Ich möchte das die Menschen darüber reden, möchte das sie auf Betroffene zugehen und nicht weg sehen. Möchte in Diskussionen mit anderen Betroffenen aber auch Nichtbetroffenen kommen.

Vor zwei Wochen war ich zu einem Autorenfrühstück. Dieses findet in regelmäßigen Abständen statt, und innerhalb der zwei Stunden können Autoren dort ihre Werke vorstellen. Meist sind dort Poeten und Geschichtenerzähler. Doch beim letzten Mal fasste ich den Mut, mich dort vorne hin zu setzen und mein Buch vor zu stellen. Nach meiner Lesung herrschte betretenes Schweigen im Raum. Anders als bei meinen Kollegen, gab es zu meinem Buch keine Meinung. Ich sah in den Gesichtern Betroffenheit. Sah wie es in ihren Köpfen arbeitete, doch niemand sprach. Es war totenstill im Raum. Einzig der Veranstalter sagte nach einigen Minuten etwas. Was sich aber auch nur um den Schreibstil handelte. An den Inhalt wagte auch er sich nicht ran. Sie werden vielleicht sagen das diese Veranstaltung für ein solches Thema nicht der richtige Ort war. Und ich stimme Ihnen bedingt zu. Dort saßen mir Menschen gegenüber, die wahrscheinlich das Glück hatten, so was nicht erlebt zu haben. Und wenn doch jemand mit einer ähnlichen Geschichte dabei war, hat dieser Mensch sein schweigen noch nicht gebrochen.

Doch auch in den Communities im Internet sind die Reaktionen ähnlich. Und dies obwohl es auf fast jeder Plattform zu diesem Thema Gruppen gibt. Doch auch dort wird nicht wirklich geredet, wenn es denn doch jemand wagt, folgt schweigen. Ich würde mir wünschen das es einen regeren Austausch zwischen Betroffenen und Nichtbetroffenen gibt. Aber auch einen Austausch mit den Helfern und Angehörigen von Betroffenen. Selbst die Medien tun sich sehr schwer mit diesem Thema. Erst vor einigen Wochen war ein Team von RTL bei mir. Doch im Vordergrund stand die Frage nach Therapieplätzen. Wie schnell man Hilfe findet, welche Steine einem dabei in den Weg gelegt werden. In dem Beitrag der gestern Abend mal gerade drei Minuten ausgestrahlt wurde, war von der Gewalt kaum die Rede. Als wir hier darüber sprachen waren die vier Reporter betroffen und wussten auch nicht wirklich mit diesem Thema um zu gehen. Und dies obwohl Studien belegen das jede vierte Frau in ihrem Leben ähnliche Erfahrungen macht, wie ich sie gemacht habe. Ich vermute das die Zahl sogar noch höher liegt weil viele immer noch schweigen.

Bitte helfen Sie mit dieses Schweigen zu brechen. Vielleicht gibt es direkt in der Wohnung nebenan häusliche Gewalt? Vielleicht leben dort Kinder die zumindest Zeugen der Gewalt werden, diese Bilder nie wieder los werden, oder sogar selber Gewalt erleiden müssen. Doch auch die Kinder schweigen und leiden. Manche Ihr Leben lang. Viele sind nicht bindungsfähig, manche leben genau diese Gewalt ebenfalls in ihren Beziehungen aus. Ich wünsche mir nichts mehr, als das solche Berichte irgendwann unnütz werden. Das die Menschen nur noch den Kopf schütteln und sich fragen „Wie so was hat es bei uns im Land gegeben?“ Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. Auch für die Justiz, denn die Täter kommen trotz verbesserter Gesetze meist ungeschoren davon.

Gabriele Remscheid

Presse-Information:
Gabriele Remscheid
Postfach 1226
41838 Wegberg


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Gabriele Remscheid

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Erklärung: Der Autor versichert, dass die veröffentlichten Inhalte in dieser Pressemitteilung der Wahrheit entsprechen und dem gesetzlichen Urheberrechte unterliegen.
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