Seit einem Monat bewegt sich der Ölpreis in London in einem Band zwischen 75 und 80 USD. Der US-Dollar bewegt sich zwischen CHF 1.— und 1.03; in den letzten Tagen befindet er sich am unteren Ende der erwähnten Bandbreite. Während der ganzen Zeit lässt sich eine indirekte Abhängigkeit beobachten. Steigt
der Dollar, fällt der Ölpreis und umgekehrt – als ob es ein Grundrecht auf gleich bleibende Einkünfte der ölexportierenden Länder gäbe. Ursache ist allerdings etwas anderes. Die US-Notenbank hält derzeit wegen der Finanzkrise und des rekordhohen Haushalts-Defizites der USA die Geldmenge hoch und die Leitzinsen tief. Das verscheucht das Gros der Anleger in attraktivere Anlageformen. Sie finden diese ausserhalb des Dollar-Raumes oder in Rohwaren. Das führt zu rekordhohen Gold- und auch Ölpreisen. Mit der Faktoren, die normalerweise bei den Rohwaren den Wert bestimmen, muss das nichts zu tun haben. Teure Rohwaren wie Öl führen auf der andern Seite des Kreislaufes zu einer Erhöhung des US-Handels-Defizits (in den USA wird die Hälfte davon durch Ölimporte verursacht). Damit dreht sich das Ölpreis-Dollar-Karussell weiter. Tiefe Leitzinsen sind ausserdem eine Einladung für spekulativ orientierte Marktteilnehmer wie z.B. die Investmentbank Goldman Sachs. Diese kann sich nahezu kostenlos re-finanzieren und mit Milliarden-Beträgen auf Preissteigerungen bestimmter Rohwaren ‚wetten’. Praktischerweise ist Goldman Sachs gleichzeitig einer der grössten Rohwarenhändler. Für die Anleger ist also alles aus einer Hand zu haben... Da erstaunt es wenig, dass wir uns seit März Schritt um Schritt dem Kursziel dieser Firma für Rohöl nähern. Das lautete auf 85 USD bis Ende 2009 und 100 USD für 2010. Bisher ist kein Trendbruch zu erkennen. Wir sind trotz bester Versorgungslage und schwacher Nachfrage auf dem Weg ins Ziel der Investmentbanker. Die perfekte Umverteilungs-Maschine von Volksvermögen schnurrt gemütlich vor sich hin. Die Party in der Finanzwelt läuft wieder.
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