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Politik
Afghanistan-Konferenz soll Ende des Dilemmas am Hindukusch bringen - Karsais Zukunft «fraglich»
«Kein Durchblick mehr» (PR-inside.com 14.11.2009 12:16:13) - «Die NATO hat in Afghanistan keinen richtigen Durchblick mehr».
So kommentierte ein hochrangiger Angehöriger der CIA am Wochenende
in Washington die aktuelle Lage am Hindukusch. Innerhalb der
amerikanischen Administration herrsche «Irritation» über die
zögerliche Haltung von Präsident Barack Obama, eine neue Strategie
mit den Verbündeten für Afghanistan zu entwickeln.
Washington/Kabul (ddp). «Die NATO hat in Afghanistan keinen richtigen Durchblick mehr». So kommentierte ein hochrangiger Angehöriger der CIA am Wochenende in Washington die aktuelle Lage am Hindukusch. Innerhalb der amerikanischen Administration herrsche «Irritation» über die zögerliche Haltung von Präsident Barack Obama, eine neue Strategie mit den Verbündeten für Afghanistan zu entwickeln. Von Obama werde nur noch von dem «Zauderer»
gesprochen. Es sei «fraglich», ob der afghanische Präsident Hamid Karsai, der nur wieder durch massive Wahlmanipulationen an die Macht gekommen sei, «auf Zeit zu halten ist».
Nach wochenlangen Diskussionen mit seinen engsten Sicherheitsberatern ist Obama unverrichteter Dinge in Sachen Afghanistan zu einer neuntägigen Asien-Reise aufgebrochen. Erst danach wolle er nach Absprache mit den Verbündeten die neue Strategie mitteilen, was, wo, wie und wann zu einem Ende der achtjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Taliban und den Kämpfern der Al-Qaida führen könnte, war in Washington zu erfahren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp will Obama möglicherweise auf seinem Asientrip ohne eine Ankündigung einen Abstecher nach Afghanistan unternehmen, um sich selber vor Ort ein Bild von der gefährlichen Lage zu machen.
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte gerade bei seinem ersten Besuch in Afghanistan vor deutschen Soldaten im nordafghanischen Feldlager Mazar-i-Sharif erklärt: «Afghanistan wird uns sicher noch eine Weile fordern.» Der Einsatz der internationalen Truppen müsse aber in «absehbarer Zeit auch einmal verzichtbar sein». Damit hat Guttenberg die Exit-Strategie, den «Abmarsch» vom Hindukusch, der lange Zeit tabu war, deutlich ins Spiel gebracht. Auch in den USA zeichnet sich nach Presse-Berichten immer mehr ab, dass der Präsident möglichst schnell seine Soldaten aus Afghanistan zurückholen will.
Guttenberg steht mit seinen Vorstellungen nicht allein da. Die Front der ISAF-Truppen beginnt zu bröckeln. Die Kanadier, die im Süden Afghanistans gegen die Taliban kämpfen, wollen wegen ihrer schweren Verluste ihre rund 2500 Soldaten definitiv bis Ende 2011 abziehen. Bisher sind rund 130 kanadische Soldaten ums Leben gekommen. Die Holländer wollen ebenfalls Afghanistan verlassen. Ähnliche Absichten hat der britische Premierminister Gordon Brown geäußert. Großbritannien verfügt mit mehr als 9000 Mann nach den USA über das zweitgrößte Kontingent am Hindukusch. Seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen in Afghanistan verloren die Briten 229 Soldaten.
Neben der CIA wiesen auch andere westliche Geheimdienstler in Kabul darauf hin, dass neben den radikal-islamischen Taliban das «korrupte System» von Karsai das eigentliche Problem für Afghanistan sei. Auch der Druck der westlichen Länder auf Karsai, für ordentliche Regierungsverhältnisse ohne die weitverbreitete Korruption und Vetternwirtschaft zu sorgen, wird nach Ansicht von Geheimdienstlern in Kabul «so gut wie nichts bewirken». Karsai sei in einem «Netzwerk» von Warlords und Drogendealern verstrickt.
Wenn Karsai am Donnerstag nächster Woche in seinem Palast vereidigt worden ist, «wird es genauso weitergehen wie bisher», sagte ein CIA-Experte. Dem Westen werde nichts anderes übrig bleiben als nach einem neuen Mann an der Spitze Afghanistans zu suchen, meinte ein Geheimdienstler. Das sei eine «Herkules-Aufgabe».
Guttenberg hatte bei seinem Besuch in Kabul Karsai «ins Gewissen» geredet. Karsai habe sich alles lächelnd angehört und soll nach der Verabschiedung des deutschen Ministers nur zwei Worte zu seiner Umgebung gesagt haben: «Na und!». Selbst im NDS, im eigenen Geheimdienst Karsais, soll es nachdenkliche Gesichter gegeben haben, berichteten Geheimdienstler.
Anfang des nächsten Jahres soll eine internationale Afghanistan-Konferenz möglicherweise das Ende des Dilemmas am Hindukusch bringen. Wie das bewältigt werden kann, ist nach Aussage der CIA in Washington noch «ein Buch mit sieben Siegeln». Besonders beim Aufbau einer afghanischen Armee und Polizei hapere es «gewaltig». Es gehe Obama jedoch vor allem um die Frage, wie und wann die amerikanischen und anderen alliierten Truppen einer «realen Kabuler Regierung» die Verantwortung für die Sicherheit Afghanistans übergeben können.
(ddp)
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