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Gesellschaft & Kultur

«Betriebsratsverseucht» ist Unwort des Jahres 2009

«Ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen»



(PR-inside.com 19.01.2010 12:32:02) - Das Unwort das Jahres 2009 heißt «betriebsratsverseucht». Der
Sieger wurde aus 982 Vorschlägen ausgewählt, wie die Jury um
Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser am Dienstag in
Frankfurt am Main mitteilte.

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Frankfurt/Main (ddp). Das Unwort das Jahres 2009 heißt «betriebsratsverseucht». Der Sieger wurde aus 982 Vorschlägen ausgewählt, wie die Jury um Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen störe zwar viele Unternehmen, sie als Seuche zu bezeichnen sei indes «ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen», sagte Schlosser zur Begründung. In
einem Bericht der ARD-Sendung «Monitor» im Mai vergangenen Jahres hatte ein Mitarbeiter einer Baumarktkette geschildert, dass Abteilungsleiter Mitarbeiter als «betriebsratsverseucht» bezeichnen, die von einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Betriebsrat wechseln wollen. Diese als Warnung vor den neuen Kollegen gemeinte Bezeichnung könne verhindern, dass die Mitarbeiter überhaupt in der neuen Geschäftsstelle übernommen werden. Die Jury kritisierte außerdem die Formulierung «Flüchtlingsbekämpfung», die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einem «Bürgerforum» der Bertelsmann-Stiftung benutzte. Merkel habe damit einen Teil des deutschen Beitrags zum Migrationsproblem bezeichnet. Die Gleichsetzung einer Menschengruppe mit einem zu bekämpfenden Sachverhalt sei ein «dramatischer sprachlicher Fehlgriff», sagte Schlosser. Das Unwort des Jahres wurde in diesem Jahr zum 19. Mal seit 1991 bestimmt. Hervorgehoben werden damit «sprachliche Missgriffe» aus dem öffentlichen Leben, die im zurückliegenden Jahr besonders negativ aufgefallen sind und möglicherweise ethische Normen verletzt haben. Unwort des Jahres 2008 war «notleidende Banken». (ddp)


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