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Interview mit dem Tierschützer, der Eisbär Knut tot sehen will


Interview mit dem Tierschützer, der Eisbär Knut tot sehen will
Knut

(PR-inside.com 22.03.2007 20:28:10)

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F.- Herr Albrecht, Sie wollen, dass man Eisbär Knut tot spritzt? Was sind sie für ein Tierschützer?

A. - Natürlich will ich das nicht. Ich bin Tierrechtler. Ich lehne die Tötung eines gesunden und überlebensfähigen nichtmenschlichen Tieres durch den Menschen generell ab, weil eine Tötung gegen das Grundrecht auf Leben verstößt. Eine Tötung wäre also ganz klar Mord.

F.-Sie haben jüngst Strafanzeige gegen den Zoo Berlin erstattet, weil dieser einen mit der
Hand aufzieht, hatten aber auch Anfang des Jahres Strafanzeige gegen Zoo Leipzig erstattet, weil dieser eine mögliche Handaufzucht ablehnte und ein Lippenbärenbaby genau deswegen tötete. Das ist doch ein Widerspruch?

A.- Der Zoo Leipzig hat die Tötung eines Lippenbärenbabys damals damit gerechtfertig, dass eine Handaufzucht eines Bären, u.a. wegen späteren tierquälerischen Verhaltensanomalien, nicht artgerecht und das das durch Inzucht gezüchtete Baby kaum vermittelbar sei. Die Staatsanwaltschaft folgte nur dieser Argumentation und stellte das Verfahren ein.
Da aber fast täglich in einer deutschen zoologischen Einrichtung ein nichtmenschliches Tier mit der Hand aufgezogen oder Inzucht betrieben wird, also Zoos generell keine Probleme damit haben, gegen die 'Gesetze der Natur' zu verstoßen, kann die Tötung bereits hier keinen vernünftigen Grund darstellen. Das Tierschutzgesetz verbietet zudem eine Tötung ohne vernünftigen Grund. Daher meine Anzeige.
Der Zoo Berlin betreibt nun eine Handaufzucht. Wenn man aber der Argumentation des Zoo und der Staatsanwaltschaft Leipzig nun folge, ist diese Handaufzucht nun nicht artgerecht und führt später, wenn Knut u.a. integriert werden soll, zu tierquälerischen Verhaltensstörungen.
Verhaltenstörungen und nicht artgerechte Handlungen verbietet das Tierschutzgesetz ebenfalls. Damit stellt diese Handaufzucht ebenfalls ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar.

F.- Die Berliner Staatsanwaltschaft hat nun das Verfahren auch eingestellt, mit welcher Begründung?

A.- Das Tierschutzgesetz fordert ganz klar eine art- und verhaltensgerechte Haltung. Auf die Leipziger Aussage, dass eine Handaufzucht generell gar nicht artgerecht sei, ist man nicht eingegangen.
Auch behauptet die Staatsanwaltschaft, gegen die Argumentation der Fachleute aus dem Zoo Leipzig, dass solche Verhaltenstörungen bei von Hand aufgezogenen Bären nicht belegt seien und sogar in Kauf zu nehmen ist. Ein klarer Widerspruch zu den Leipziger Argumenten.

F.- Wie werten Sie diese unterschiedlichen Auffassungen?

A.- Ich hatte eigentlich von der Berliner Staatsanwaltschaft nichts anderes erwartet. Sie wird kaum meiner Strafanzeige gegen den Zoo Leipzig voll Recht geben. Damit hätte ja meine Beschwerde in Leipzig natürlich viel größere Chancen.
Übrigens hat der Zoo Leipzig, nach bekannt werden meiner Anzeige, gleich kräftig zurückgerudert und verkündet, dass bei Handaufzuchten von Fall zu Fall anders entschieden werden müsse. Das klang aber mal ganz anders: 'Die Aufzucht von Wildtieren durch Menschenhand ist nicht artgerecht' (Dr. Junhold/ Stellungnahme Zoo Leipzig/ 28.12.2006)

F.- Sie haben ja in beiden Fällen nun auch Beschwerde eingelegt. Was erhoffen sie sich eigentlich von der ganzen Sache?

A.- Eigentlich ein Grundsatzurteil, eine große Öffentlichkeit und eine breite Diskussion. Aber in erster Linie geht es mir aber darum, öffentlich zu machen, in was für einem riesigen absurden Dilemma die Institution Zoo, unser Tierschutzgesetz und unsere Ethikvorstellungen in Bezug auf nichtmenschliche Tiere steckt.
Jahrelange Veröffentlichungen der Zoos zeigen doch, dass Zoos endlich selber entscheiden wollen welches Leben ihnen im Zoo etwas nützt und welches Leben ihnen irgendwie lästig ist. Zoos wollen endlich selber entscheiden wer, wann, wie und wo überleben darf.
Das versuche ich als Tierrechtler, mit solchen 'Provokationen', zu verhindern.
Man darf nicht zulassen, dass Zoos auch noch die letzten hohen Ethik- und Moralvorstellungen mit Füssen treten.

F.- Sie sagen, dass gerade die Bärenhaltungen in den Zoos, Bären in psychische Fracks verwandeln. Worauf stützen sie diese Behauptung?

A.- Zum einen dokumentiere ich selber seit vielen Jahren die verschiedensten Bärenhaltungen in Deutschland und habe noch keinen Bären in irgendeiner Einrichtung erlebt der keine krankhaften Verhaltensanomalien zeigte. Zum anderen beschreiben und dokumentieren Zoofachleute und Verhaltensforscher selbst, in diverser Fachliteratur, verheerende und aussichtslose Bedingungen, was solche krankhaften Anomalien betrifft. Selbst die anerkannte Spezialistin, Lydia Kolter, resigniert regelrecht, trotz umfangreicher Beschäftigungsprogramme: 'Langfristig konnte selbst durch diese Maßnahmen (Beschäftigungsprogramme) eine Steigerung von Verhaltensstörungen mit zunehmendem Alter der Tiere nicht verhindert werden. Solche Störungen sind möglicherweise eine Reaktion auf das permanente dichte Zusammenleben, das im natürlichen Lebensraum nicht vorkommt.' (Lydia Kolter, Zoobärenexpertin/ Zoo Köln/ in 'Zeitschrift des Kölner Zoos/ Heft 2/ 2002!!!).
Selbst auf der, ach so, 'modernen' und 'artgerechten' Leipziger Lippenbärenanlage zeigt selbst der Nachwuchs vom letzten Jahr bereits solch qualvollen Anomalien. Das ist nur ein Beispiel.

F.- Sie sagen, Zoos wissen nicht mehr wohin mit ihrem Nachwuchs und anderseits leidet der Nachwuchs später meist unter ihren Verhaltensstörungen? Was sollen die Zoos, ihrer Meinung nach, jetzt tun?

A.- Eine Lösung des Problems von Sonntag auf Montag nicht möglich sein.
Aber schauen sie, Zoos argumentieren immer wieder, wenn es um die Tötung von überzähligem Nachwuchs geht, dass eine Tötung in freier Wildbahn ja auch stattfindet, sie behaupten hier: 'Es sei ja völlig natürlich'.
Also, warum lässt man der Natur im Zoo nicht auch seinen wirklich freien natürlichen Lauf und lässt die Bärenmutter allein entscheiden (so wie in Freiheit auch), ob das Bärenbaby überlebt oder nicht?
Ganz klar, weil sich dann niemand mehr brüsten kann, dass es nach so vielen Jahren endlich wieder eine Eisbärengeburt gibt. Und dort lässt ein niedliches Eisbärenbaby auch nicht die Kassen klingeln.
Frage sie doch mal nach, warum es mit natürlichen Nachzuchten nicht funktioniert. Ursachen sind die Haltungsbedingungen.
Übrigens werfen gerade die Zoos uns Zoogegner immer wieder vor, das Vorgehen in Zoos zu sehr zu vermenschlichen, während eine Handaufzucht doch der absolute Höhepunkt einer Vermenschlichung ist. Und noch etwas. Während wir hier sprechen wird irgendwo in einem deutschen Zoo eine Handaufzucht begonnen. Würden Zoos keine Handaufzuchten mehr durchführen, weil sie ja selbst sagen, es sei nicht artgerecht, könnten wir die Zoos in 10 Jahren schließen.
Ich sage es noch deutlicher, da Zoos definitiv keine Lösung für die vielen Haltungsprobleme haben und alle Bemühungen wieder nur in Tierquälerei enden, muss man dem vernünftigen Grund heraus, das Ganze Dilemma endlich beenden. Ich sehe, nicht nur als Tierrechtler, in der langfristigen Auflösung der Zoos, den einzigen vernünftigen Weg.

F.- Was soll Berlin jetzt mit Knut machen, wenn er doch später Qualen ausgesetzt ist? Was wenn ihre Beschwerde Erfolg hat? Was soll oder würde geschehen?

A.- Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen. Was man jahrelang versäumt hat, kann und darf so ein kleines Individuum, wie Knut, nicht ausbaden. Er hat jetzt ganz klar ein Lebensrecht.
In Bezug auf meine Beschwerde, wenn sie denn Erfolg hat, was ich selbst bezweifle, stelle ich mir vor, dass eine Geldstrafe Zeichen setzen könnte.

F.- Welche Zeichen?

A.- Ein Zuchtverbot und die schrittweise Beendigung aller Haltungen in Gefangenschaft.

F.- Gilt das nun nur für Bärenhaltungen?

A.- Nein, für alle! Denn betrachtet man jede einzelne Haltung genauer, so wird man auch dort unlösbare Probleme erkennen. Ursachen sind die, nicht einmal annähernd biologischen, Haltungsbedingungen.
Schon weil eine Gefangenschaftshaltung nie artgerecht sein kann, ist die Institution Zoo abzulehnen.

F.- Sie habe auch noch weitere Verhaltenstörungen von anderen Tieren dokumentiert. Was ist ihr abschließendes Fazit?

A.- Ganz klar, mit den Worten von Sophia Loren) formuliert: "Schließt die Irrenhäuser, die ihr Zoos nennt!"

Pressemitteilung: www.pr-inside.com
Kontaktinformation: e-mail

Erklärung: Der Autor versichert, dass die veröffentlichten Inhalte in dieser Pressemitteilung der Wahrheit entsprechen und dem gesetzlichen Urheberrechte unterliegen.



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