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Politik

Ehemalige Häftlinge des KZ Buchenwald gedenken der Ermordeten

«Ich habe den Anzug seit der Befreiung nicht mehr gewaschen»


«Ich habe den Anzug seit der Befreiung nicht mehr gewaschen»
«Ich habe den Anzug seit der Befreiung nicht mehr gewaschen» ©ddp

(PR-inside.com 15.07.2007 16:49:23) - 43646 - das war die Nummer des Buchenwaldhäftlings Emil
Grigorewitsch. Am 70. Jahrestag der Errichtung des
Konzentrationslagers Buchenwald steht der Ukrainer in seiner
gestreiften Häftlingskleidung auf dem früheren Appellplatz des
Lagers. «Ich habe den Anzug seit der Befreiung, seit 1945 nicht mehr
gewaschen», erzählt Grigorewitsch.

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Weimar (ddp-lth). 43646 - das war die Nummer des Buchenwaldhäftlings Emil Grigorewitsch. Am 70. Jahrestag der Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald steht der Ukrainer in seiner gestreiften Häftlingskleidung auf dem früheren Appellplatz des Lagers. «Ich habe den Anzug seit der Befreiung, seit 1945 nicht mehr gewaschen», erzählt Grigorewitsch. Der ehemalige Häftling ist nach Deutschland gekommen, um als einer der wenigen noch Lebenden Zeugnis abzulegen.
Neben Grigorewitsch sind noch weitere 44 ehemalige Häftlinge angereist, aus Belgien, Estland und Frankreich, Deutschland, Israel und Kroatien, Norwegen, Polen und Russland. Mit ihrer Anwesenheit ehren sie die Menschen, die der Willkürherrschaft der Faschisten zum Opfer gefallen sind. Von 1937 bis 1945 waren in Buchenwald 250 000 Menschen inhaftiert, von denen über 56 000 ums Leben kamen. Neben der Ehrung geht es auch um die Zeit, wenn es keine Zeitzeugen mehr geben wird. «Wir leben in einer Zeit des regelmäßigen Abschiednehmens», sagt der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau Dora, Volkhard Knigge, der sich um das Vermächtnis der Opfer sorgt. Rassismus und Fremdenhass, Nationalismus und Antisemitismus sind noch immer und zunehmend aktuell, sagt auch der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, und fordert das Engagement aller Demokraten. Stephan J. Kramer, der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, formuliert es noch schärfer: «Extremismus hat seinen Nährboden, wo Politik versagt hat» und bekundet seine Entsetzen darüber, dass auf deutschen Schulhöfen das Wort Jude inzwischen ein allgemeines Schimpfwort sei. Für den ehemaligen Häftling Ottomar Rothmann, der als politischer Häftling von 1943 bis 1945 in Buchenwald saß, ist das «unerträglich». «Wir Buchenwaldhäftlinge haben uns nach der Befreiung über alle Grenzen hin geschworen: Der Aufbau einer neuen Welt, der Freiheit und des Friedens ist unser Ziel», sagt Rothmann. Acht ehemaligen Häftlingen wird am Sonntag das Totenbuch mit 38 000 Namen übergeben. Zehn Jahre Arbeit und der Abgleich mit Tausenden Akten aus Archiven in aller Welt haben zur Identifizierung von 4000 vorher nicht bekannten Toten geführt. Doch alle Namen werden wohl niemals rekonstruiert werden können, befürchtet Knigge. Die 10 000 Opfer der Todesmärsche und die 8000 Offiziere der Roten Armee werden wahrscheinlich für immer namenlos bleiben. Der Opfer wird mit einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute gedacht. In der Fotoausstellung «Schwarz auf Weiß. Fotografien vom Konzentrationslager Buchenwald» suchen die früheren Buchenwaldhäftlinge Georgi Loik aus Estland und Milivoj Lalin aus Kroatien nach alten Kameraden und eigenen Fotos, die sie der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt haben. (ddp)

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