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Politik
Viel Applaus im Münchner «Hofbräukeller» für den designierten Parteichef und Nahles
Gabriel macht Bayerns SPD-Basis Mut (PR-inside.com 08.11.2009 20:03:02) - Die Kontaktaufnahme Sigmar Gabriels mit der bayerischen SPD-Basis
begann am Sonntagabend etwas unglücklich. Die Reaktionen auf die
Frage des designierten SPD-Bundesvorsitzenden, ob er auch hinten im
Saal des Münchner «Hofbräukellers» gut zu verstehen sei, waren
ähnlich widersprüchlich wie zahlreiche SPD-Debatten in der
Vergangenheit...
München (ddp). Die Kontaktaufnahme Sigmar Gabriels mit der bayerischen SPD-Basis begann am Sonntagabend etwas unglücklich. Die Reaktionen auf die Frage des designierten SPD-Bundesvorsitzenden, ob er auch hinten im Saal des Münchner «Hofbräukellers» gut zu verstehen sei, waren ähnlich widersprüchlich wie zahlreiche SPD-Debatten in der Vergangenheit: Einige Genossen riefen «Nein», andere entgegneten sofort verärgert «Doch».
Gabriel zeigte daraufhin ein
breites Lächeln. Bei seiner Rede konnte er sich anschließend immer mehr entspannen - denn es wurde deutlich, dass die anwesenden Sozialdemokraten dem bisherigen Bundesumweltminister durchaus wohlwollend gesinnt waren. Immer wieder gab es Applaus, Pfiffe waren dagegen überhaupt nicht zu hören.
Gabriel machte den bayerischen Genossen mit den Worten Mut, die Sozialdemokratie habe in ihrer Geschichte «weit größere Krisen» überstanden. Auch jetzt gebe es die Chance, einen «neuen Aufbruch» hinzubekommen. Wichtig hierfür sei eine bessere «innerparteiliche Kommunikation».
Gabriel rügte, man gehe mit den eigenen Leuten zuweilen «respektloser» um als mit den politischen Gegnern. Er rief den rund 400 Zuhörern zu: «Das Image, dass wir ein zerstrittener Haufen seien, das müssen wir wegkriegen!» In der SPD müsse es einen diskussionsfreudigen und weltoffenen Geist geben, denn: «Enge macht nicht attraktiv.» Außerdem riet der designierte SPD-Chef seiner Partei, eine «alte Fußballerregel» zu beherzigen: «Durch Kampf zum Spiel.»
Auch die Kandidatin für das Amt der SPD-Generalsekretärin, Andrea Nahles, warb um Vertrauen. Sie forderte, die SPD müsse wieder «mehr Kümmerer werden» für die Sorgen der «kleinen Leute». Die Partei habe aber auch Grund, auf Entscheidungen wie den Atomausstieg «stolz zu sein». Nahles fügte hinzu: «Es war nicht alles falsch!»
Die SPD-Politikerin zitierte den berühmten Satz des scheidenden Parteichefs Franz Müntefering: «Opposition ist Mist.» Nahles fügte allerdings hinzu: «Mist kann auch Humus werden. Darauf müssen wir hinarbeiten.» Dazu sei jedoch Zeit nötig: «Sigmar und ich haben entschieden, dass wir sie uns nehmen.»
Gabriel fand deutliche Worte zum Zustand der SPD. So sagte er mit Blick auf das Debakel bei der Bundestagswahl: «23 Prozent - da fällt mir kein anderes Wort ein als katastrophal.» Die SPD habe «kein klares Profil». Dies gelte insbesondere in der Sozialpolitik. Gabriel versicherte, mit seiner Analyse wolle er nicht so tun, als gäbe es «Schuldige und Unschuldige» in der SPD-Führung. Vielmehr trage auch er selbst Mitverantwortung und «Mitschuld».
Gabriel und Nahles hatten am 24. Oktober in Hannover mit einer bundesweiten Tour zu den einzelnen SPD-Landesverbänden begonnen. Im Mittelpunkt steht dabei die Aufarbeitung der historischen Niederlage der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl. Der bisherige SPD-Chef Müntefering kandidiert als Konsequenz aus dem Debakel nicht erneut auf dem Bundesparteitag, der am Freitag nächster Woche beginnt.
Lob für Gabriel und Nahles gab es vom bayerischen SPD-Chef Florian Pronold. Er bezeichnete die beiden Gäste als «Kraftpaket» der Bundes-SPD. Bayerns neuer SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher mahnte, seine Partei müsse nun «den Blick nach vorne richten».
Die bayerische Juso-Vorsitzende Marietta Eder sagte der Nachrichtenagentur ddp, die SPD brauche neue Konzepte in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Notwendig sei unter anderem «die Abschaffung der Rente mit 67». Auf die Frage, ob Gabriel und Nahles ein SPD-«Dreamteam» werden könnten, antwortete Eder: «Wir sind als Jusos nicht personengläubig.»
Gabriel versicherte in der Diskussionsrunde mit Blick auf den Bundesparteitag in wenigen Tagen: «Ihr müsst uns nicht wählen.» Klar sei allerdings auch: «Ich will, dass ihr uns wählt.»
(ddp)
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