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Gesellschaft & Kultur
Welturaufführung zum dritten Jahrestag des Holocaust-Mahnmals
- Rund 2.000 Besucher im Licht der untergehenden Sonne
Von Holger Mehlig Ehrfurcht im tönenden Stelenfeld Erste Zusammenfassung © AP (PR-inside.com 09.05.2008 21:39:10)
Berlin (AP) Außergewöhnliches Konzert mitten im Stelenfeld: Mit einer Welturaufführung ist am Freitagabend der dritte Jahrestag der Eröffnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin gefeiert worden. Die Kammersymphonie Berlin spielte unter Leitung von Lothar Zagrosek das eigens für diesen Anlass von Harald Weiss komponierte Werk «Vor dem Verstummen». Im Licht der untergehenden Sonne waren bei freiem Eintritt nach Angaben der Veranstalter rund 2.000 Besucher zu der 15-minütigen
«Klanginstallation» gekommen.
Der Dirigent stand im Zentrum des Denkmals, die 23 Musiker waren in einem Umkreis von 50 Meter verteilt. Diejenigen, die nicht in Sichtachsen zum Dirigenten saßen, beobachteten ihn - von Podesten aus - auf Monitoren. Die Besucher bewegten sich während der Aufführung frei im Denkmal. Eigens für das Konzert wurden die umliegenden Straßen für die nötige Ruhe gesperrt.
Zwtl: Ehrfürchtige Besucher
Das Werk begann mit einem leisen Ton der Celli, der wie ein Sirren klang. Die meisten Besucher blieben in den Gängen stehen, einige setzten sich, an den Rändern hüpften Kinder bei lauen Sommertemperaturen über die Stelen. Dann ertönten Glockenschläge, die Trompeten und Posaunen spielten lange Töne. Eine elegische, getragene Melodie, von Oboen vorgetragen, umfloss das Feld. Erst nach zehn Minuten ertönte die Stimme einer Mezzosopranistin, die dann vom lauten, unheilverkündenden Paukenwirbel unterbrochen wurde.
Die Besucher waren still, andächtig, fast ehrfürchtig standen sie da. Je weiter man nach außen kam, umso stärker die «Realität»: Mal war ein Flugzeug zu hören, mal die Sirenen der Polizei, mal einfach das Zwitschern der Vögel. Und dann tauchten im Hintergrund über den Stelen vor dem tiefblauen Himmel die Türme des Potsdamer Platzes auf. Am Ende begann der Applaus ganz leise und breitete sich wellenförmig nach außen aus.
Ludger Brand, ein Besucher, war fasziniert: «Mich hatte eine unglaublich tiefe Trauer erfasst, als ich hier drin stand und dann diese Töne hörte», sagte der 27-Jährige. Er sei schon öfter im Stelenfeld gewesen, aber dieses Erlebnis sei ganz besonders gewesen.
Zwtl: Thierse begeistert
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse war ebenfalls begeistert. «Die Menschen still und wie gebannt vor den Stelen stehen zu sehen, ist faszinierend», sagte er der AP. Es sei nicht nur ein akustisches, sondern auch ein optisches Erlebnis gewesen.
Die Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Lea Rosh, sagte in einer Begrüßungsansprache, noch nie zuvor sei das Denkmal so schön gewesen wie an diesem Abend, an dem so viele Menschen friedlich auf den Stelen säßen. «Es ist wunderbar, dass das Denkmal so angenommen wird.
Zwtl: Lebendige Erinnerungskultur
Der stellvertretende Botschafter Israels in Deutschland, Ilan Mor, betonte, das Stelenfeld lade die Besucher ein, es zu durchschreiten und zu innerer Einkehr und Reflexion zu kommen. Das Erlebnis präge sich im Bewusstsein ein. «So bleibt die Erinnerungskultur lebensfähig.
Ein Ziel des veranstaltenden Förderkreises war es, durch das Konzert Spenden für weitere Forschungsprojekte zu bekommen. Das vom Architekten Peter Eisenman gestaltete Denkmal wurde seit seiner Eröffnung bereits von rund acht Millionen Menschen besucht.
www.konzert-im-denkmal.de
www.raumdernamen.com
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