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Gesellschaft & Kultur

Brückenbau als schwerwiegender Eingriff in Kulturlandschaft gesehen

Dresdner Elbtal von Welterbeliste der UNESCO gestrichen



(PR-inside.com 25.06.2009 19:38:03) - Fast drei lange Tage hat Dresden um seinen UNESCO-Welterbetitel
gebangt und ihn am Ende tatsächlich verloren. Nach mehrstündigen
Beratungen strich das Welterbekomitee der UNESCO das Dresdner Elbtal
auf seiner Sitzung am Donnerstag im spanischen Sevilla von der
Welterbeliste.

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Sevilla/Dresden (ddp-lsc). Fast drei lange Tage hat Dresden um seinen UNESCO-Welterbetitel gebangt und ihn am Ende tatsächlich verloren. Nach mehrstündigen Beratungen strich das Welterbekomitee der UNESCO das Dresdner Elbtal auf seiner Sitzung am Donnerstag im spanischen Sevilla von der Welterbeliste. Die vierspurige Waldschlößchenbrücke wird als gravierender Eingriff in die Kulturlandschaft und damit in das Welterbe bewertet. Das Votum am
Donnerstag war eindeutig: 14 von 21 Delegierten stimmten für die Streichung, fünf dagegen, zwei enthielten sich. Damit strich die UNESCO erstmals eine Kulturstätte von der Welterbeliste. Zuvor war im Jahr 2007 ein Naturschutzgebiet in Oman von der Weltnaturerbeliste gestrichen worden. Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte kurz zuvor noch einen letzten Versuch unternommen, die Vertreter aus 21 Ländern doch noch von dem 160-Millionen-Euro-Projekt im Elbtal zu überzeugen. Sie appellierte an das Welterbekomitee, die Entscheidung zu vertagen, bis die Elbquerung fertiggestellt sei. Dies war jedoch vergeblich, der Antrag auf einen erneuten Aufschub wurde von den Delegierten abgelehnt. Nach der Entscheidung trafen am Donnerstag zahlreiche Reaktionen auf die von den meisten Beobachtern erwartete Aberkennung ein. Die Deutsche UNESCO-Kommission bedauerte die Streichung und hätte sich mehr Offenheit auf beiden Seiten für eine Veränderung der Brückenpläne gewünscht. Präsident Walter Hirche sagte, künftig sollten «aufkommende Welterbe-Konflikte» über eine «frühzeitige Mediation» gelöst werden. Dafür biete sich die Deutsche UNESCO-Kommission als Mediator an. Die Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz und sächsische Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) sprach von einem «schwarzen Tag für das Kulturland Sachsen und Deutschland als Kulturnation.» Die Stadt Dresden sei «sehenden Auges ins Verderben gelaufen». Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) merkte an, es wäre mehr als genug Zeit gewesen, mit der UNESCO zu einem Kompromiss zu gelangen. Auch er sprach von einem «schwarzen Tag». Der Deutsche Kulturrat verwies auf die «Sturheit» Dresdens und urteilte: «Deutschland ist in der Welt blamiert.» Bereits im vergangenen Jahr hatte das Welterbekomittee deutlich Position bezogen und klargestellt, dass der Titel nur zu retten wäre, wenn Dresden den Bau der Waldschlößchenbrücke stoppe. Doch seitdem wurde unverdrossen weitergebaut. 2011 soll der Verkehr über die Brücke rollen. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bedauerte die Entscheidung und dankte zugleich Oberbürgermeisterin Orosz, «dass sie leidenschaftlich für Dresden und den Titel gekämpft hat und erreichen konnte, dass das UNESCO-Weltkulturerbekomitee intensiv darüber diskutieren musste, ob eine Aberkennung des Titels wirklich der richtige Weg ist.» Fünf Jahre gehörte das Dresdner Elbtal mit seiner Flusslandschaft und den historischen Bauten der Altstadt zum UNESCO-Welterbe. Bereits 2006 war es jedoch wegen des Brückenbaus auf die Rote Liste gefährdeter Welterbestätten gerutscht. Auf dieser standen bis Donnerstag mit Dresden 30 gefährdete Welterbestätten. Noch steht eine Berufungsverhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen (OVG) wegen einer Klage von Naturschutzverbänden gegen den Brückenbau aus. Einen Verhandlungstermin wird es voraussichtlich im Spätherbst geben. Orosz verwies am Donnerstag darauf, dass es dem Komitee sehr schwer gefallen sei, den Titel abzuerkennen. Es habe gleichzeitig die Möglichkeit eingeräumt, dass Dresden sich erneut um einen Welterbetitel bewerben könne, teilte Orosz mit. «Die UNESCO hält Dresden weiterhin für welterbewürdig.» Orosz sieht darin neue Chancen für die Stadt. (ddp)


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