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Religion

Die Pille davor ist die Pille danach



(PR-inside.com 01.02.2013 13:24:21) - Kardinal Meisner ändert seine Ansicht zur Pille danach

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Es fällt einem durchaus das Wort vom Berg und dem Propheten ein, wenn man die Meldungen in Sachen Kardinal Meisner und der Pille danach liest. Schließlich erlebt man es nicht alle Tage, dass ein hoher katholischer Geistlicher seine Meinung öffentlich und innerhalb kurzer Zeit so drastisch ändert. Zumal wenn der Druck der Öffentlichkeit in Bezug auf ein Thema wie der Zulässigkeit der Pille danach für
Vergewaltigungsopfer so groß ist, wie in den letzten Tagen, überrascht die Reaktion Meisners. Ansonsten hält man es im katholischen Klerus ja gern mit der Devise jetzt erst recht (nicht". Nun hält Kardinal Meisner also die Verabreichung und Einnahme der Pille danach an und für Vergewaltigungsopfer für vertretbar und zwar nach einer Beratung durch Fachleute. Der Vorgang verdient Aufmerksamkeit, soviel ist sicher, und zwar aus mehreren Gründen.

Kardinal Meisner lässt sich aufklären

Ihm sei nicht klar gewesen, dass es unter dem Sammelbegriff Pille danach Präparate verschiedener Wirkweisen gebe, wurde Kardinal Meisner zitiert. Danach halte er nun die Pille danach teilweise für vertretbar, wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern. Das gelte nicht für diejenigen Pillen danach, die die Einnistung bereits befruchteter Eizellen in der Gebärmutterschleimhaut verhinderten. Durchaus beruhigend, dass sich ein Mann, dessen Wort in der Frage der Pille danach de facto Gesetz für alle Katholiken zumindest des Erzbistums Köln ist, in dieser Frage informiert, zumindest war ihm die Betonung dieses Umstandes offenbar wichtig. Aber davon und von der Drohung der Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalens, den katholischen Krankenhäusern ihre wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, sollten sie weithin Vergewaltigungsopfer nicht behandeln, wollen wir einmal absehen.

Die Pille davor ist die Pille danach

Die kardinale Volte zur Pille danach lässt zumindest auf den Umstand schließen, dass die Fachleute, die Meisner konsultiert hat, gewiss keine Koryphäen in katholischer Dogmatik waren. Denn für jene bedeutet das partielle Einlenken des Kardinals nichts weniger als Dynamit: Reduzieren wir seine neue Position zur Pille danach auf ihren Gehalt herunter, so ist nämlich Empfängnisverhütung aus katholischer Sicht genau dann akzeptabel, wenn die Befruchtung einer Eizelle verhindert wird, die in Folge einer Vergewaltigung sonst geschehen wäre. Selbst ein mittelmiger Scholastiker kann daraus eine Erlaubnis zur Verwendung beinahe aller Verhütungsmittel konstruieren. Schließlich passiert das Selbe, wie im Fall von Meisners Pille danach: Das Verschmelzen von Eizelle und Spermium wird verhindert und wie will man, bitteschön - man verzeihe bitte die Plattheit -, im Falle von Pille davor und Co. vorhersehen ob man während ihrer Wirkdauer vergewaltigt wird oder nicht?

Höhere Scholastik

Oder ist es vermessen, Kardinal Meisner implizit zu unterstellen, er habe die Konsequenzen seines Handelns nicht bedacht? Schimmert durch unsere laienhaften scholastischen Bemühungen bereits die dogmatische Entgegnung durch? Muss demnach eine Frau nach Kardinal Meisners Ansicht nicht nur darauf hoffen, dass diejenige Pille danach zur Schwangerschaftsverhinderung noch genügt, die die Befruchtung verhindert (- ohnehin bereits ein katholisch-dicker Hund und - um es einmal etwas auf die Spitze zu treiben - wohl kaum wahrscheinlich, wenn die Betroffene bereits von einigen katholischen Krankenhäusern abgewiesen wurde)? Muss sie vielmehr außerdem erst vergewaltigt werden, bis sie Empfängnisverhütung betreiben darf? Wir vermuten fest: Genau das. Urbi et orbi, versteht sich.

Andreas Kellner

http://www.zeit-und-wahrheit.de/die-pille-davor-ist-die-pille-danach-45692/
http://www.zeit-und-wahrheit.de/

Erklärung: Der Autor versichert, dass die veröffentlichten Inhalte in dieser Pressemitteilung der Wahrheit entsprechen und dem gesetzlichen Urheberrechte unterliegen.
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