(PR-inside.com 05.11.2009 14:08:04) - Der demografische Wandel stellt auch die rund 23 000 Freiwilligen
Feuerwehren in Deutschland vor neue Herausforderungen. Vor allem in
den ostdeutschen Ländern, in denen die Abwanderung junger Menschen
nach ihrer Ausbildung bislang nicht gestoppt wurde, fehlen den
Wehren die Nachwuchskräfte.
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Güstrow (ddp-nrd). Der demografische Wandel stellt auch die rund 23 000 Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland vor neue Herausforderungen. Vor allem in den ostdeutschen Ländern, in denen die Abwanderung junger Menschen nach ihrer Ausbildung bislang nicht gestoppt wurde, fehlen den Wehren die Nachwuchskräfte. In Mecklenburg-Vorpommern zum
Beispiel, wo sich am Wochenende die Delegierten zum Deutschen Feuerwehr-Verbandstag in Güstrow treffen, sank die Mitgliederzahl in den Jugendfeuerwehren binnen acht Jahren von mehr als 10 000 auf inzwischen nur noch 6500.
Ursache sei nicht das mangelnde Interesse der jungen Leute an einem Engagement in der Feuerwehr, sagt Landesbrandmeister Heino Kalkschies. Vielmehr schwächten der Geburtenrückgang und die Abwanderung junger Leute zu den Jobs im Westen die Kaderschmiede der Feuerwehr. «In fünf bis zehn Jahren wird sich das massiv in unseren Einsatzabteilungen bemerkbar machen», warnt der 48-jährige Landesverbandschef. Um die Lücke zu schließen, werben die Wehren im Nordosten gemeinsam mit Wirtschafts- und Kommunalverbänden mit der Kampagne «Köpfe gesucht« um Nachwuchs.
Darüber hinaus besteht für die Feuerwehren in ganz Deutschland ein weiteres Problem, mit dem sich die rund 200 Delegierten des Verbandstags befassen wollen. Vor allem im ländlichen Raum sind immer mehr Freiwillige Feuerwehren tagsüber nur noch begrenzt einsatzfähig. Anders als vor Jahren, als noch etwa 75 Prozent der Helfer unmittelbar im Dorf berufstätig und somit im Alarmfall schnell verfügbar waren, müssen heute viele Arbeitnehmer Jobs mit Fahrwegen von einer Stunde und mehr in Kauf nehmen.
Die Folge sei, dass nur noch schätzungsweise fünf Prozent der Freiwilligen tagsüber sofort im Ort verfügbar seien, sagt Kalkschies. «Wenn es heute im Dorf brennt, dann schrillen die Glocken zur Sicherheit auch gleich noch bei zwei, drei Feuerwehren in den Nachbardörfern!» Das führe oft zu Frust und Reibereien. Erste Auflösungserscheinungen, der Einsatz von Pflichtfeuerwehren und der Zusammenschluss benachbarter Wehren, wie zuletzt in Binz, Malchow oder auf der Nordseeinsel Sylt, zeigten wenig optimistische Perspektiven für die deutsche Feuerwehr.
Dabei flossen in den vergangenen Jahren vor allem im Osten viele Millionen Euro in die Modernisierung der Einsatzabteilungen. Selbst in den kleinsten Feuerwehren sind W 50, LO oder B 1000 allenfalls noch Oldtimer-Fahrzeuge für Festumzüge. Nahezu flächendeckend in Deutschland wurde in leistungsstarke Löschfahrzeuge investiert, auf Rüstwagen und moderne Drehleiterzüge umgestellt und die dafür erforderlichen Gerätehäuser neu- oder ausgebaut.
Neben Rettungseinsätzen sowie der Bekämpfung von Bränden und Havarien erweist sich die Feuerwehr aber auch als wichtige ehrenamtliche Institution neben den Sportvereinen. Allein in den 817 Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit rund 1000 Feuerwehren, die somit eine große Stütze des Bürgermeisters sind. «Es gibt kaum einen Ort, in dem Frühlings-, Oster- oder Herbstfeste ohne die Wehr stattfinden», sagt Kalkschies.
Zugleich biete die Feuerwehr vielen Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitalternative. Der befürchtete Einmarsch von Rechtsextremisten, die versuchten, in Schulen, Vereinen und Verbänden mehr und mehr Fuß zu fassen, sei in den Feuerwehren bislang verhindert worden, sagt der Landesbrandmeister, auch, weil Wehrführer als Ehrenbeamte gesetzlich verankerten, demokratischen Grundsätzen unterlägen.
Wer bei der Feuerwehr mitmache, lerne Werte wie soziales Engagement und Gemeinschaftssinn, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Daher habe das Land 2008 und 2009 jeweils 100 000 Euro für die Imagekampagne »Köpfe gesucht" investiert. In den nächsten beiden Jahren wolle die Koalition dafür nochmals insgesamt 100 000 Euro bereitstellen.
Auf der Tagung in Güstrow sollen auch der Präsident und sein Vize gewählt werden, für die Posten kandidieren erneut Hans-Peter Kröger und Hartmut Ziebs. Darüber hinaus wird der Deutsche Feuerwehrtag vorbereitet, der im Juni 2010 in Leipzig mit der Leitmesse für Rettung und Katastrophenschutz «Interschutz» geplant ist.
(ddp)
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